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Die Traumentstellung

  • Wilhelm Stekel

Zusammenfassung

Wir haben an zahlreichen Beispielen gesehen, daß der Traum eine symbolische Sprache spricht, daß mit der Auflösung der Symbolismen eine teilweise Erklärung des Traumes möglich ist. Ich betone es noch einmal: nur eine teilweise Erklärung, weil außer den Symbolismen noch verschiedene Vorgänge der Traumentstellung eine Bolle spielen, die ich hier erwähnen muß. Eine der wichtigsten Formen der Traumentstellung ist die Verkehrung in das Gegenteil. Dies ist schon den ältesten Traumdeutern bekannt gewesen, und auch vom Volke in ähnlicher Weise aufgefaßt worden. Träumte einer vom Tod, so weissagte das ägyptische Traumbuch Geburt; erlebte jemand im Traume ein großes Unglück, so hatte das nach Ansicht der alten Traumdeuter ein großes Glück zu bedeuten. Über diese Auslegungen des Volkes haben sich manche Gelehrte lustig gemacht; es scheint aber, daß, wie Freud sehr treffend bemerkt, das Völksbewußtsein der Wahrheit viel näher gekommen ist als die Weisheit der Gelehrten. Eine ganze Reihe von Träumen wird nur dadurch zu deuten sein, daß wir das Prinzip der Verkehrung ins Gegenteil anwenden. „Kot bedeutet Gold. Gold und Kot sind Gegensätze, daher sich das Teufelsgeld der Sage nach in Dreck verwandeln muß. Eine Eigentümlichkeit des Traumes ist es aber gerade, Gegenteil für Gegenteil zu setzen. So bedeutet es Krankheit, wenn man jemanden geputzt sieht, Zank, wenn man sich lieb hat und so ist lebhafte sinnliche Freude im Traume nicht selten eine Vorbotin von Schnierzen: „Vae ribi ridenti, quia mox post gaudia flebis.“ (Kleinpaul — Sprache ohne Worte.)

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Copyright information

© J. F. Bergmann, München 1927

Authors and Affiliations

  • Wilhelm Stekel

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