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Einführung in das Hepatose-Hepatitis-Problem

  • F. Rosenthal
Part of the Fachbücher für Ärzte book series (FACHAERZT OBA, volume 16)

Zusammenfassung

Wie auf allen Gebieten klinischer Pathologie muß auch das Ziel einer Klinik der Leberkrankheiten darauf gerichtet sein, die klinischen Bilder in möglichst enge Beziehungen zu den im kranken Organ sich abspielenden histologischen Vorgänge zu setzen. Während die Einteilung der doppelseitigen Nierenerkrankungen in degenerative und entzündliche Formen, in Nephrosen und Nephritiden mit fruchtbarem Erfolge für die Klinik durchgeführt erscheint, begegnet die entsprechende Trennung bei den Leberkrankheiten in Hepatose und Hepatitis und in ihre Mischformen nicht bloß klinischen, sondern auch außerordentlichen histologischen Schwierigkeiten. Man ist über diese Schwierigkeiten in den bisherigen klinischen Darstellungen gewöhnlich einfach dadurch hinweggegangen, daß man den Begriff der Leberentzündungen ohne Rücksicht auf das Wesen des histologischen Prozesses zu einem Sammelbegriff machte, in welchem man wahllos Leberkrankheiten verschiedenartiger Entstehung hineinzwängte. Man identifizierte den diffusen Charakter von Lebererkrankungen mit „Leberentzündung“, man meinte aber in Wirklichkeit damit wesensverschiedene Prozesse, die nur in einer Eigenschaft, nämlich in ihrer Ausdehnung über das ganze Organ übereinstimmten, im übrigen aber bald toxisch-degenerative, bald entzündliche Prozesse, bald Kombinationsformen aus beiden Vorgängen umfaßten. Man wird sich daher die Frage vorlegen müssen, warum nicht auf dem Gebiete der Leberpathologie die Scheidung von degenerativen und entzündlichen Vorgängen mit ähnlichem Erfolge wie auf dem Gebiete der Nephropathien durchgeführt werden kann. Die Gründe für diese Schwierigkeiten liegen vom klinischen Standpunkte darin, daß die Gesamtleistungen der Nieren einfacher und methodisch exakter zu erfassen sind als die überaus verwickelten Stoffwechselfunktionen und excretorischen Leistungen der Leber. Noch wesentlicher ist jedoch, daß der Aufbau der Leber erheblich komplizierter ist als der der Niere. Nicht allein das Epithelgewebe der Leber nimmt mit seinen verwickelten arteriellen und venösen Durchblutungsverhältnissen, seinen Verknüpfungen mit den Gallencapillaren und mit seiner hochdifferenzierten Zellstruktur eine Sonderstellung ein, sondern auch das Mesenchymgewebe der Leber trägt das Gepräge eines spezifisch differenzierten Zellsystems mit besonderen und wohl auch hoch differenzierten Leistungen. Daher stellt Roessle, dem wir für das histologische Verständnis des Hepatose-Hepatitis-Problems neue wichtige Anregungen verdanken, dem spezifischen drüsigen epithelialen Parenchym das spezifische vasculäre Parenchym der Leber an die Seite. Unter vasculärem Zellparenchym der Leber ist derjenige Teil der Capillarwandzellen zu verstehen, welcher zu den Kufferschen Sternzellen differenziert ist. Manches spricht dafür, daß dieser Sternzellenapparat nicht einfach als ein in der Leber eingeschlossener Teil des gesamten reticuloendothelialen Zellapparates des Körpers anzusehen ist, sondern daß er innerhalb des Reticuloendothels besonders differenziert und daher auch mit besonderen Leistungen betraut ist.

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Copyright information

© Julius Springer in Berlin 1934

Authors and Affiliations

  • F. Rosenthal
    • 1
  1. 1.HamburgDeutschland

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