Advertisement

Konstitution

A. Allgemeine Konstitutionslehre
  • Hans Pringsheim

Zusammenfassung

Die in der Natur vorkommenden komplexen Polysaccharide gehören zu der großen Klasse von Stoffen, als deren wichtigstes Charakteristikum man den „Hochmolekularen Zustand“ betrachten kann. Ehe wir uns mit der speziellen Konstitutionsforschung dieser Körper beschäftigen, müssen wir uns einen allgemeinen Überblick über die Vorstellungen verschaffen, nach denen man im jetzigen Augenblick die besonderen Bauprinzipien derartiger Stoffe beurteilt. Will man sich zuerst ein Urteil darüber verschaffen, in welcher Beziehung diese soweit verbreitete Klasse von Naturprodukten, die durch ihr natürliches Vorkommen wie ihre Beteiligung an den Lebensprozessen der Pflanzen- und Tierwelt so wichtige sind, von den organischen Substanzen anderer Art abweicht, so muß besonders auf ihr kolloid-chemisches Verhalten hingewiesen werden. Die sogenannten „Hochmolekularen“ zeichnen sich nämlich durch die Neigung aus, im Zustande der Schwerlöslichkeit zu quellen und im Lösungszustande viscose Gele zu bilden. Aus ihren Lösungen gehen sie durch Flockung in den Solzustand über, was veranlaßt sein kann durch Erhitzen, durch die Beigabe von Elektrolyten, wie auch durch die gegensätzlich geladener anders gearteter Kolloide. Alle diese Eigenschaften kommen auch den anorganischen Kolloiden zu, an denen sie bisher vornehmlich studiert worden sind. Es ist also vor allem das äußere physikalische Verhalten, welches die Hochmolekularen von den etwa 200000 bis vor nicht langer Zeit der Hauptsache nach bearbeiteten niedrig-molekularen organischen Verbindungen unterscheidet, denen ein Molekulargewicht bis zu ungefähr 2000 mit einem Gehalt von 1—50 Kohlenstoffatomen zukommt. Wir wollen die Beantwortung der Frage, ob die organischen Kolloide ihre besonderen Eigenschaften tatsächlich der Vereini gung einer großen Zahl von Atomen im Sinne der klassischen Strukturlehre verdanken, und ob ihr gegensätzliches Verhalten zu niedrig-molekularen Substanzen hierauf beruht, oder ob in ihnen niedrig-molekulare Bauelemente im übermolekularen Ver bände vorherrschen, nicht vorwegnehmen. Sie muß nämlich einer der Hauptgegenstände unserer Erörterungen sein, auf die wir uns durch ein Studium der letzt jährigen experimentellen und theoretischen Erfahrungen vorbereiten wollen.

Preview

Unable to display preview. Download preview PDF.

Unable to display preview. Download preview PDF.

Literatur

  1. Bergmann: Ber. 59, 2973 (1926).Google Scholar
  2. Hess: Die Chemie der Cellulose. Leipzig 1928.Google Scholar
  3. Staudinger: Ber. 59, 3019 (1926).Google Scholar
  4. Staudinger: Ber. 62, 2893, u. zwar 2902 (1929).Google Scholar
  5. Franz: Papierfabrikant 27, 790 (1929).Google Scholar
  6. Andress: Ztschr. physikal. Chem. 136, 279 (1928).Google Scholar
  7. Katz: Naturwiss. 13, 411 (1925).Google Scholar
  8. Herzog u. Weissenberg: Kolloid-Ztschr. 37, 23 (1925).CrossRefGoogle Scholar
  9. Herzog: Im Handbuch der Biochemie von Oppenheimer 1930.Google Scholar

Copyright information

© Julius Springer in Berlin 1931

Authors and Affiliations

  • Hans Pringsheim

There are no affiliations available

Personalised recommendations