Die Gezeiten im Leben des Küstenbewohners

  • Hermann Thorade
Part of the Verständliche Wissenschaft book series (VW, volume 46)

Zusammenfassung

Der Binnenländer, der an die deutsche Nordseeküste reist und mit Spannung den ersten Anblick des Meeres erwartet, kann eine eigenartige Überraschung erleben. Bis zuletzt versperrt ihm ein hoher Deich, der die tief gelegenen Marschen vor Überflutung durch das Meer schützt, den Blick; hat er aber die Deichkrone erstiegen, so kann er eine- weite öde und fast ebene graue, schlammige Fläche erblicken, deren Boden von durchfeuchtetem Sand oder dunklem, tonigem „Schlick“ gebildet wird: das Watt, jenen 10 bis 20km breiten Streifen, der bei Niedrigwasser trocken fällt und bei Hochwasser unter Wasser ist (Abb. 7). Ungeheure Mengen von Kleintieren beherbergt es, und Scharen von Seevögeln fischen in den von der Flut zurückgelassenen flachen Tümpeln. Hier und da mag auch einer der kleinen Küstenkähne aufhegen und das nächste Hochwasser abwarten, um wieder flott zu werden. Weite Ausflüge kann man um diese Zeit unternehmen, ohne viel mehr als zentimetertief durch Wasser waten zu müssen. Plötzlich aber steht man am Rande einer vom abfließenden Wasser scharf eingeschnittenen Rinne, eines „Priels“ (Abb. 1), der mit seinen Verästelungen einem Flußsystem nicht unähnlich ist, und dessen etwas tieferes Wasser durch seine Stromrichtung anzeigt, ob noch Ebbe herrscht, d. i. Fallend Wasser, oder Flut, d. i. Steigend Wasser1.

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© Julius Springer in Berlin 1941

Authors and Affiliations

  • Hermann Thorade
    • 1
  1. 1.Deutsche SeewarteHamburgDeutschland

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