Die Informationsdistanz

  • Susanne Grimm

Zusammenfassung

Zum Verständnis der „Bildungsabstinenz“ der Arbeiter erscheint uns das Phänomen der „sozialen Distanz“ von ganz besonderer Bedeutung.1 Was verstehen wir darunter? „Distanz“ als Entfernung zwischen zwei Punkten ist uns eine ganz geläufige Vorstellung. Nun gibt es allerdings verschiedene Räume, in denen diese Distanz liegen kann. L. v. Wiese definiert „soziale Distanz“ als „Grad von Ferne oder Nähe im sozialen Raum“.2 Was aber bedeutet „sozialer Raum“? Was sollen wir uns darunter vorstellen? Welche „Gesetze“ herrschen in ihm? Und was besagt schließlich jener Grad von Nähe oder Ferne? Unter „sozialem Raum“ verstehen wir jenen Bereich zwischenmenschlicher Beziehungen, den wir üblicherweise mit dem Wort „Gesellschaft“ umschreiben. Auch ihn durchzieht — wie den geographischen oder den geometrischen Raum — ein Koordinatensystem, das der Wissenschaftler zwar als Denkmodell an ihn heranträgt, dem aber in der Realität durchaus soziale Tatsachen gegenüberstehen. Auch hier gibt es ein „Oben“ und „Unten“, ein „Links“ und „Rechts“, ein „Vertikal“ und „Horizontal“. Wonach aber bestimmt sich nun die unterschiedliche Stellung der Menschen innerhalb dieses sozialen Raumes? In industriellen Gesellschaften ist es vor allen Dingen der Beruf, nach dem sich die Position eines Menschen bemißt.Um das Kriterium „Beruf“ gruppieren sich allerdings auch alle jene Unterscheidungsmerkmale, die für die Einstufung des einzelnen auf der „sozialen Leiter “ wesentlich sind : Ausbildung, Einkommen, Prestige and Einfluß. Damit haben wir bereits angedeutet, daß es innerhalb des sozialen Koordinatensystems eine besonders wichtige Dimension gibt, die vertikale. Auf der vertikalen Achse finden wir z. B. die Begriffe Sozialschichtung, hierarchische Gliederung, Auf- und Abstieg und auch Herrschaft.

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Copyright information

© Johann Ambrosius Barth München 1966

Authors and Affiliations

  • Susanne Grimm
    • 1
  1. 1.MünchenDeutschland

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