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Analyse des Normbegriffs mit der sprachkritischen Methode

  • Hemmo Müller-Suur

Zusammenfassung

Kant nennt sein transzendentales Ideal der reinen Vernunft eine einer Idee entsprechende Vorstellung. Diese Vorstellung eines Urbildes, die aus dem Inbegriff aller möglichen Prädikate gewonnen wird, schwebt in großer Allgemeinheit der Vernunft als Norm vor. Sie ist aber in ihrer Allgemeinheit unanschaulich. Eine reale Existenz kann ihr nicht entsprechen. Sie ist also ein bloßer Begriff. Ein Ding von der Art des transzendentalen Ideals, ein durch regulative Prinzipien vollständig bestimmter Gegenstand, ist bloß denkbar, nicht aber anschaulich vorstellbar. Nach Kants eigenen Worten mangeln ihm zur eigentlichen Vorstellung „die hinreichenden Bedingungen in der Erfahrung“. Er ist eine bloße Vorstellung der Vernunft, ein Noumenon, nicht eine Vorstellung der Anschauung, ein Phänomen. — Begriffe ohne Anschauung sind aber leer.

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Literatur

  1. 1.
    Es liegt hier also ein mehrschrittiger Regreß vor. Dieser findet aber beim empirischen Tatbestand des Urteilenden sein Ende. Klammerte man diesen empirischen Tatbestand nun aber ein (HUSSERL), SO würde ein unendlicher Regreß entstehen. An dieser Stelle liegt unser bewußter „Psychologismus“, der nicht zu einem unendlichen Regreß führt.Google Scholar
  2. 1.
    Eine beispielhafte Verdeutlichung der hier zunächst rein formal aufgestellten Begriffe findet man in § 23 S. 44f.Google Scholar
  3. 2.
    Man stoße sich hier, wo es um rein formale logische Differenzen geht, nicht an dem scheinbaren Gegensatz von Seins-und Werdensnorm; es wird sich im weiteren zeigen, daß unsere Analysen nicht der Tatsache widersprechen, daß das Sein nur als eine spezielle und das Werden als die allgemeine Realitätsform (NICOLAI Hartmann) aufzufassen ist.Google Scholar
  4. 1.
    Vgl. dazu auch Brentano: Psychol. I, 2. Buch 1. Kapitel. — Man könnte, um den belasteten Ausdruck „Substanzen“ zu vermeiden, auch von „Dingen“ und „Wesen“ (vgl. Husserls Wesensschau!) sprechen, oder abstrakter von „Einheiten“ oder „Prozeßkonstituentien“ des seelischen und des körperlichen Seinsbereiches. Ich halte mich trotzdem an den Ausdruck „Substanz“ und verstehe hier unter „Substanzen“ notwendig zu denkende Einheiten des seelischen und des körperlichen Phänomenbereiches, welche wir ohne irgendwelche metaphysische Gedanken daran zu knüpfen, rein empirisch feststellen können.Google Scholar
  5. 1.
    Da wir das Seelische selbst nicht unmittelbar gegenständlich erleben können, aber den Erlebnisgegenstand durch das Seelische hindurch erleben, kann man von einer Transparenz des Seelischen sprechen: es ist wie ein Medium, durch dasGoogle Scholar
  6. 1.
    Das Urteil „abnorm“ ist zwar nicht im vollen Sinne anerkennend, sondern nur insofern, als dabei die Existenz des beurteilten Sachverhalts als solche anerkannt wird; nur darauf kommt es hier aber an.Google Scholar
  7. 1.
    Da die Möglichkeiten der Erkenntnis dieser Tatbestände begrenzt sind, ist das Zutreffen der Urteile ebenfalls beschränkt und immer nur unvollkommen; ganz besonders natürlich im Gebiet der Psychologie. Doch darf uns die Einsicht in diese Beschränkung m. E. nicht von dem Bestreben abbringen, uns möglichst weitgehend zu bemühen, alles, was erfaßbar ist, auch wirklich heranzuziehen.Google Scholar
  8. 1.
    Obwohl der Begriff „Persönlichkeit“ von Kurt Schneider in vorsichtiger Weise viel enger definiert wird, nämlich nur als „das Ganze des Fühlens und Wer-tens, Strebens und Wollens“, von dem die Intelligenz und „das leibliche, vitale Gefühls-und Triebleben“ als zwei weitere „Seiten des individuellen seelischen Seins“ ausgeschlossen werden.Google Scholar

Copyright information

© Springer-Verlag OHG. 1950

Authors and Affiliations

  • Hemmo Müller-Suur

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