Prinzipien einer funktionellen Bewegungslehre

  • F. J. J. Buytendijk

Zusammenfassung

Ein Wartender eilt auf eine nahende Freundin zu. Er stolpert, fängt sich wieder und lacht. Er streckt zur Begrüßung die Hand aus, holt einen Brief aus der Tasche und liest errötend daraus vor. Später geht er nach Hause, ißt und trinkt. Er setzt sich mit gerunzelter Stirn an den Schreibtisch, seufzt. Begibt er sich zur Ruhe, so schläft er während der Nacht in wechselnder Haltung, bis er am Morgen die Augen aufschlägt und einen neuen Tag beginnt. Eine ununterbrochene Kette von Haltungen und Bewegungen bildet so die äußere Erscheinungsform des dahinfließenden menschlichen Daseins.

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Literatur

  1. 1.
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    Auch die Prinzipien werden induktiv durch die Erfahrung ermittelt, also nicht a priori, wie man aus dem Zitat Natorps entnehmen könnte.Google Scholar
  11. 1.
    Clay, J.: a. a. O. S. 96.Google Scholar
  12. 2.
    Prof. Dr. A. G. M. van Melsen (Nijmegen) ist der Ansicht, daß eine Unterscheidung zwischen Gesetz und Prinzip in der Physik nicht mehr sinnvoll ist. Ein Prinzip wird durch eine Integralgleichung, ein Gesetz durch eine Differentialgleichung dargestellt. (Margenau, H. : The nature of physical reality, S. 422 ff. New York 1950.)Google Scholar
  13. 1.
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    Michotte, A.: La perception de la causalité. Louvain 1946.Google Scholar
  16. 1.
    Weizsäcker, V. von: (Der Gestaltkreis, S. 167. Leipzig 1943) bemerkt: „Physik setzt voraus, daß in der Forschung ein Erkenntnis-Ich einer Welt als einem von ihr unabhängigen Gegenstand gegenübergestellt sei. Biologie erfährt, daß das Lebende sich in einer Bestimmung befindet, deren Grund selbst nicht Gegenstand werden kann.“ Google Scholar
  17. 1.
    Vgl. über den Zusammenhang vom Erleben des „Selbst“ und eines „inneren Raumes“ Abt. IV (Die Problematik der Ausdrucksbewegungen).Google Scholar
  18. 2.
    Weizsäcker, V. von: Der Gestaltkreis, S. 167. Leipzig 1943.Google Scholar
  19. 1.
    Deshalb zitiert Klages Nietzsches Wort: „Das Du ist älter als das Ich“.Google Scholar
  20. 2.
    Minkowski, E.: a. a. O. S. 247.Google Scholar
  21. 1.
    Conrad-Martius : Metaphysische Gespräche, S. 16. Halle 1921.Google Scholar
  22. 2.
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  23. 1.
    Guillaume, P.: La psychologie de la forme. Paris 1937.Google Scholar
  24. 1.
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  25. 1.
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  26. 2.
    Sogar bei Fischen gelten die Gesetze der Gestalt-Wahrnehmung ; vgl. Meesters, A.: Die Organisation des Gesichtsfeldes der Fische. Diss. Groningen 1940.Google Scholar
  27. 1.
    Bethes Handbuch der Physiologie, Bd. XII, 2. Hälfte.Google Scholar
  28. 2.
    Wertheimer, M. : Drei Abhandlungen über Gestalttheorie. Erlangen 1925.Google Scholar
  29. 8.
    Köhler, W. : Die physischen Gestalten in Ruhe und im stationären Zustand. Braunschweig 1920.Google Scholar
  30. 1.
    Guillaume, P. : a. a. O. S. 37.Google Scholar
  31. 1.
    Das geht auch gerade wieder aus einer umfassenden Darstellung, die noch die weitere Entwicklung der Gestalttheorie berücksichtigt, hervor: Metzger, W., Psychologie. Darmstadt, 1954, s. S. 278–301. Im Anschluß an Koehler wird einer Schicht: „Physikalische Welt — physikalischer Organismus“ eine andere: „Psychophysische Weltvorgänge — psycho-physische Körper-Ich-Vorgänge“ gegenübergestellt. „Ohne Sprung“ werden diese verschiedenen Ebenen zu einem lückenlosen Gesamtbild „mittels des Kunstgriffs der Einsetzung des anschaulich Erlebten an die Stelle bestimmter zentral-physiologischer Prozesse“ verbunden.Google Scholar
  32. 2.
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  33. 8.
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  36. 3.
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  37. 1.
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  38. 2.
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  39. 1.
    Wolf, K. L., u. W. Troll: Die Gestalt (Abhandlungen zu einer allgemeinen Morphologie), Heft I. Leipzig 1940.Google Scholar
  40. 1.
    Wolf, K. L., u. W. Troll: Die Gestalt (Abhandlungen zu einer allgemeinen Morphologie), Heft I. Leipzig 1940 S. 19.Google Scholar
  41. 2.
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  42. 3.
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  43. 1.
    Montpellier, G. de: Les altérations morphologiques des mouvements rapides. Louvain 1935.Google Scholar
  44. 2.
    Montpellier, G. de: Les altérations morphologiques des mouvements rapides. Louvain 1935 S. 248.Google Scholar
  45. 1.
    Heidegger, M.: Sein und Zeit, S. 104. Halle 1927.Google Scholar
  46. 2.
    TJexküll, J. von: Umwelt und Innenwelt der Tiere. Berlin 1909.CrossRefGoogle Scholar
  47. 2a.
    Jexküll, J. von: Theoretische Biologie. Berlin 1920.Google Scholar
  48. 1.
    Von Uexküll meint fälschlich, seinen „Umwelt“-Begriff vom Raum-Begriff Kants ableiten zu können. Vgl. für eine Kritik hierauf die Arbeit des Verf.: Das Umweltproblem. Schweiz. Rundschau 1946.Google Scholar
  49. 1.
    Becker: Die apriorische Struktur des Anschauungsraumes. Phil. Anz. 4, S. 129 (1930).Google Scholar
  50. 2.
    Weizsäcker, V. von: Wahrheit und Wahrnehmung. Leipzig 1942.Google Scholar
  51. 1.
    Weizsäcker, V. von: Wahrheit und Wahrnehmung. Leipzig 1942 S. 110.Google Scholar
  52. 1.
    Uexküll, J. v., u. G. Kriszat: Streifzüge durch die Umwelt von Tieren und Menschen, S. 26. Berlin 1934.Google Scholar
  53. 2.
    Ein gutes Beispiel gibt M. Merleau-Ponty (La structure du Comportement, S. 228. Paris. 1943). Ein Fußballfeld ist dem Spieler nicht als Objekt gegeben, »Il est parcouru par des lignes de force (»lignes de touche«, celles qui limitent la »surface de réparation«), articulé en secteurs (par exemple les »trous« entre les adversaires) qui appellent un certain mode d’action, la déclanchent et la portent comme à l’insu du joueur. Le terrain ne lui est pas donné, mais présent comme le terme immanent de ses intentions pratiques; le joueur fait corps avec lui et sent par exemple la direction du »but« aussi immédiatement que la verticale et l’horizontale de son propre corps.«Google Scholar
  54. 3.
    Straus, E.: Die Formen des Räumlichen. Ihre Bedeutung für die Motorik und die Wahrnehmung. Nervenarzt 3, 635 (1930).Google Scholar
  55. 1.
    cf. Aufsatz des Verf.: „Zur allgemeinen Psychologie des Tanzes. “ in: Essays in Psychology, dedicated to David Katz. Upsala 1951.Google Scholar
  56. 1.
    Im Anschluß an den Gedanken von E. Straus hat L. Bins wanger das Raumproblem in der Psychopathologie erforscht und den Gegensatz zwischen „eigenem Raum“ und „fremdem Raum“ hervorgehoben. Binswanger nimmt jedoch mehr einen existentialontologischen, Straus einen psychologischen Ausgangspunkt. So will Bins wanger den von ihm entwickelten Begriff „gestimmter Raum“ als den Raum, „in dem sich das menschliche Dasein als ein gestimmtes aufhält“ auffassen. Bezüglich des Zusammenhanges des Raumerlebens und der Raumstruktur bemerkt Binswanger, daß „Erlebensform und Raumgestalt nur die beiden Pole einer noetisch-noematischen Einheit darstellen“. Z. Neur. 145, 598 (1933). — Straus, E.: Vom Sinn der Sinne, S. 297 ff. Berlin 1935.Google Scholar
  57. 1.
    Ehrenfels, Chr. v. : a. a. O.Google Scholar
  58. 1.
    zitiert nach Uexküll, J. v. : Theoretische Biologie.Google Scholar
  59. 2.
    Weizsäcker, V. von: Der Gestaltkreis. Leipzig 1943.Google Scholar
  60. 3.
    Weizsäcker, V. von: Gestalt und Zeit. „Die Gestalt“, Abh. zu einer allgemeinen Morphologie, Heft 7. Halle 1942.Google Scholar
  61. 1.
    Ganz durchgängig gilt das nach einer von mir ausgeführten Untersuchung nicht (Vgl.: Miscellanea Psychologica Albert Michotte, S. 297. Louvain 1947.)Google Scholar
  62. 2.
    Derwort, A. : Untersuchungen über Zeitverlauf figurierter Bewegungen beim Menschen. Pflügers Arch. 240, 661–676 (1938).CrossRefGoogle Scholar
  63. 3.
    Weizsäcker, V. v.: Der Gestaltkreis. Leipzig 1944.Google Scholar
  64. 1.
    „Raum und Zeit sind ebensowenig reale Existenzen (Newton) noch Anschauungsformen des menschlichen Denkens (Kant), sondern Tätigkeitsformen der Wahrnehmung, in die das Faktum Bewegung eingeht. “ [Christian, P.: Wirklichkeit und Erscheinung. Z. Sinnes-physiol. 68 (1940).]Google Scholar
  65. 2.
    Die biologische Zeit ist weder objektives homogenes Kontinuum noch aufbewahrte Zeit im Gedächtnis, sie ist Gegenwartszeit. Leben ist weder indifferent gegen den Unterschied von vergangen und zukünftig noch Erinnerung, sondern Leben ist immer „zeitüberbrückende Gegenwart“ (Prinz Auersperg). Pflügers Arch. 236, 310 (1935); Z. Sinnes-physiol. 66, 274 (1936) u. Nervenarzt 1954, S. 1.Google Scholar
  66. 1.
    Ein Motiv ist ein durch seinen Sinn wirksames Antezedens.Google Scholar
  67. 1.
    Michotte, A. : La causalité physique est-elle une donnée phénoménale ? Tijdschr. philos. 3, 290 (1941). Ausführlicher in seinem Buch: La perception de la causalité. Louvain 1946.Google Scholar
  68. 1.
    Vergl. Buytendijk, F. J. J.: Das Fußballspiel. Würzburg (o. Jg.).Google Scholar
  69. 1.
    Klages, L.: Grundlegung der Wissenschaft vom Ausdruck, 5. Aufl., S. 30. Leipzig 1936.Google Scholar
  70. 2.
    Klages, L.: a.a.O. S. 36.Google Scholar
  71. 1.
    So lesen wir bei von Uexküll: „Die isolierte Nervenfaser mit ihrem Zentrum kann als eine autonome Nervenperson bezeichnet werden. Diese Anlage ermöglicht es, soviel Reize voneinander zu unterscheiden, als es Nervenpersonen gibt. Das Zusammenfassen der Nervenpersonen geschieht durch netzförmige nervöse Verbindungsbahnen. Die Nervenpersonen selbst sind nichts anderes als Repräsentanten und vertreten im Körper einserseits die Reize, die der Körper erleidet, andererseits die Wirkungen, die der Körper ausübt. “Google Scholar
  72. 1.
    Sartre, J. P.: L’Imaginaire. Paris 1940.Google Scholar
  73. 2.
    Grünbaum, A.A.: Wil en Beweging. Ned. Tijdschr. v. Genesk. 1919, S.2025.Google Scholar
  74. 1.
    Klages, L. : Grundlegung der Wissenschaft vom Ausdruck. 5. Aufl. Leipzig 1936.Google Scholar
  75. 1.
    cf. de Waelhens : Une Philosophie de l’Ambiguïté, S. 328. Louvain 1951 : »La liberté est toujours une rencontre, un passage, un échange de l’extérieur et de l’intérieur.«Google Scholar
  76. 1.
    Die autonomen Bewegungen sind auch automatisch, aber ebenso wie die zwangsmäßigen Reaktionen und die willkürlichen Bewegungen, dem Verlaufe nach. Die Einteilung Grünbaums führt denn auch zu einem Verständnis des Freiheits- und Zwangsläufigkeitsgrades der Bewegung und ihrer Beziehung zum Selbst.Google Scholar
  77. 1.
    Flach, A.: Psychomotorische Gestaltbildung. Arch. ges. Psychologie 91, 97 (1934).Google Scholar
  78. 1.
    Das Büchlein von Révèsz („Die menschliche Hand“) versucht eine funktionelle Darstellung der Hand zu geben. Sehr schön : Focillon, Henri, Éloge de la main, in : »Vie des Formes«, Paris 1947: »La main est action, elle prend, elle crée, et parfois on dirait qu’elle pense« . . . »ainsi l’esprit fait la main, la main fait esprit.«Google Scholar
  79. 1.
    Auch der darstellende Tanz, das Zeichnen usw.Google Scholar
  80. 1.
    Vgl. hierzu meine Abhandlung: „Das Spiel von Mensch und Tier. “ Berlin 1933.Google Scholar
  81. 1.
    Die Verhaltensweisen müssen sich hauptsächlich in Handlungen und Ausdrucksbewegungen differenzieren, weil das animalische Leben ein Mitleben mit den Dingen ist, mit ihrem Zustand, d. h. wie sie sich zum Subjekt verhalten und mit ihrer Veränderung, d. h. wie sie sich zum Subjekt verhalten werden. Das Mitleben ist prospektiv und gegenwärtig.Google Scholar
  82. 2.
    Dieses Beispiel und ein Teil der folgenden Betrachtungen sind der „Deutung des mimischen Ausdrucks“, Philos. Anz. 1, S. 1 (1925) entnommen (Buytendijk u. Plessner).Google Scholar
  83. 1.
    Vgl. von Weizsäckers Begriff der „zeitüberbrückenden Gegenwart“ („Wahrheit und Wahrnehmung“. Leipzig 1942) und den verwandten Begriff Minkowskis: »Synchronisme vécu«.Google Scholar

Copyright information

© Springer-Verlag GmbH Berlin Heidelberg 1956

Authors and Affiliations

  • F. J. J. Buytendijk
    • 1
  1. 1.Reichsuniversität UtrechtHolland

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