Kongreß pp 8-8 | Cite as

Die autologe Blutstammzell-Transplantation — ein neues Konzept zur hämatopoetischen Rekonstitution nach myeloablativer Therapie bei Patienten mit malignen lymphohämatopoetischen Erkrankungen

  • A. Körbling
  • H. Martin
  • W. Hunstein
  • T. M. Fliedner
Conference paper
Part of the Verhandlungen der Deutschen Gesellschaft für Innere Medizin book series (VDGINNERE, volume 93)

Abstract

Die Rekonstitution des blutbildenden Organs nach supraletaler myeloablativer Therapie geschieht durch Transplantation hämopoetischer Stammzellen, die gewöhnlich dem Markraum entnommen werden. Experimentelle Daten in verschiedenen Tier-, insbesondere dem Hundemodell [1] legen den Schluß nahe, daß hämatopoetische Stammzellen mit der Fähigkeit zur vollständigen und permanenten Repopulation des Knochenmarks auch im peripheren Blut des Menschen zirkulieren. Es erscheint somit unter klinischen Bedingungen möglich, Stammzellen mittels eines Blutzellseparators (kontinuierliche Leukapherese) aus dem peripheren Blut zu entnehmen und im Falle einer therapiebedingten Myeloablation zu retransplantieren.

Die Transplantation peripherer Blutstammzellen hat gegenüber der Verwendung von Knochenmark-Stammzellen mögliche Vorteile:
  • zur Stammzellgewinnung wird keine Vollnarkose benötigt

  • Blutstammzellen können auch dann entnommen werden, wenn die üblichen Knochenmark-Entnahmestellen beispielsweise durch Vorbestrahlung geschädigt sind

  • die hämatopoetische Rekonstruktion nach autologer Blutstammzell-Transplantation (ABSCT) scheint insbesondere für die leukozytäre Zellinie sehr schnell zu erfolgen

  • das Verhältnis von normalen hämatopoetischen Stammzellen zu klonalen Tumorzellen ist im peripheren Blut von Patienten mit lymphohämatopoetischen Erkrankungen möglicherweise günstiger als im Knochenmark (eine noch zu beweisende Hypothese).

In unserer Klinik wurde bei 4 Patienten mit Lymphom und bei 3 Patienten mit akuter Leukämie eine ABSCT nach myeloablativer Konsolidierungsphase durchgeführt.

Die Blutstammzellen wurden durch mehrere aufeinanderfolgende Leukapheresen im Stadium einer therapiebedingten Expansion des Stammzellpools gewonnen, computergesteuert eingefroren und in flüssigem Stickstoff bei —196 °C gelagert. Die Kinetik der zellulären Rekonstitution nach ABSCT war abhängig von der Gesamtzahl der transplantierten Stammzellen; alle 3 Zellinien rekonstituierten komplett und permanent. Die Patienten leben rezidivfrei bei einer längsten Beobachtungszeit von nunmehr 2 Jahren nach ABSCT [2]. Die autologe Blutstammzelltransplantation verspricht eine vollwertige und sichere (kurze Aplasiedauer) Alternative zur autologen Knochenmark- Transplantation zu werden.

Literatur

  1. 1.
    Fliedner TM et al. (1979) Blood Cells 5: 313PubMedGoogle Scholar
  2. 2.
    Körbling M et al. (1986) Blood 67: 529PubMedGoogle Scholar

Copyright information

© J. F. Bergmann Verlag, München 1987

Authors and Affiliations

  • A. Körbling
    • 1
  • H. Martin
    • 1
  • W. Hunstein
    • 1
  • T. M. Fliedner
    • 1
  1. 1.Medizinische PoliklinikHeidelbergDeutschland

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