Zur psychoanalytisch orientierten Psychotherapie depressiver Syndrome im Alter

Conference paper

Zusammenfassung

Trotz der hohen Prävalenz psychischer Erkrankungen im Alter (5, 6) hat sich die Psychoanalyse zum Thema Alter oder Psychotherapie im Alter zurückhaltend geäußert. In der BRD steht H. Radebold, der sich mit einem explizit psychoanalytischen Ansatz mit seiner interdisziplinären Arbeitsgruppe in Kassel auf einen breiten Erfahrungshintergrund stützt, weitgehend allein da. Seine ermutigenden Forschungsergebnisse und Therapieberichte sind vorwiegend in gerontologischen oder psychiatrischen Organen publiziert worden, und es sieht so aus, als seien seine Erkenntnisse nur wenig in das psychotherapeutische Denken eingegangen. Bei Durchsicht der letzten 25 Jahrgänge der „Psyche“, der Zeitschrift der Deutschen Psychoanalytischen Vereinigung, fand ich nur einen Beitrag, der sich mit dem Problembereich Alter befaßt, nämlich den Aufsatz von Grete Bibring aus dem Jahre 1969 (3). Wie ist das zu verstehen? Freud, der ja bekanntlich vor einer psychoanalytischen Behandlung von Patienten jenseits des 50. Lebensjahres warnte (7), ist bereits 1920 von Karl Abraham mit dem berühmten Satz, „das Alter der Neurose sei belangreicher als das des Neurotikers“ (1, S. 265), widerlegt worden. Inzwischen hat sich das Spektrum psychoanalytischer Behandlungstechniken vor dem Hintergrund neuer Erkenntnisse, die die Dynamik menschlicher Beziehungen mehr in den Vordergrund rücken, stark erweitert. Und wenn der therapeutische Hebel an den menschlichen Beziehungen und ihren pathologischen Ausformungen ansetzt, so ist das ein Faktor, der alte Menschen nicht ausschließen dürfte.

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Copyright information

© Dr. Dietrich Steinkopff Verlag, GmbH & Co. KG, Darmstadt 1986

Authors and Affiliations

  • A. Haag

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