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Die Neuronopathia utriculosaccularis — eine unterschätzte Klinische Entität

  • M. Westhofen
Conference paper
Part of the Verhandlungsbericht der Deutschen Gesellschaft für Hals-Nasen-Ohren-Heilkunde, Kopf- und Hals-Chirurgie book series (VBDG HNO, volume 1991 / 2)

Zusammenfassung

Bei Patienten mit Schwindelbeschwerden und unauffälliger thermischer Prüfung wird häufig von nicht labyrinthärer Ursache ausgegangen. Isolierte Funktionsstorungen der Otolithenorgane finden bislang in der klinischen Diagnostik und Therapie kaum Berücksichtigung. Der breite Einsatz verschiedener Otolithenfunktionstests im Rahmen der umfangreichen Vestibularistestbatterie an der Hamburger Klinik bei mehr als 700 Patienten läßt eine Analyse der neurootologischen Befunde und Beschwerden der Patienten zu. Funktionsstörungen der Otolithenorgane standen dabei im Vordergrund. Ziel war die Erkennung von Befundkonstellationen, die eine Differenzierung von Patienten mit Erkrankungen der Otolithenorgane in der klinischen Praxis erlauben. Bei allen Patienten wurden Spontan-, Lage-, Lagerungsnystagmus, okulomotorisehe Prüfungen, Drehpendelprüfung, thermische Prüfung und Untersuchung der Halswirbelsäule durchgeführt. Die Otolithenfunktion wurde mittels statischer Kippung und Bestimmung der subjektiven Vertikalen sowie bei ausgewählten Patienten mittels der Off-vertical- und exzentrischen Rotation geprüft. In keinem der Fälle fanden sich widersprüchliche Befunde der drei Otolithentests. Die bislang höchste Sensitivität ergibt sich bei Bestimmung der subjektiven Vertikalen unter statischer Kippung. Bei 24% von 730 Patienten fand sich bei Vergleich mit einer gesunden Vergleichsgruppe eine pathologische subjektive Vertikale bei lateraler Kippung in eine der beiden Richtungen. 6% der 730 Patienten (Gr. A) zeigten eine pathologist verstärkte Kippung der subjektiven Vertikalen in die gekippte Richtung, 18% der Patienten (Gr. B) wiesen Abweichungen der subjektiven Vertikalen entgegen der Kipprichtung auf. Alle Patienten der Gruppe A hatten sensorineurale Schwerhörigkeit mit Hochtonsenken oberhalb von 3 kHz von mehr als 40 dB oder hochgradiger pancochleärer Schwerhörigkeit. Bei allen waren die lateralen Bogengänge funktionstüchtig. Bei Patienten der Gruppe B lagen sensorineurale Schwerhörigkeiten nur in 35% der Fälle vor. Bei allen Patienten persistierte die akut aufgetretene Hörminderung. Bei 70% der Patienten der Gruppe A trat innerhalb von 3 Tagen eine Kompensation der Störung auf, wie sie schon früher nach operativer Otolithenläsion von uns berichtet wurde. Bei 20% der Patienten traten rezidivierende Schwindelbeschwerden auf. Bei 10% der Patienten, die samtlich stärkste pathologische Befunde aufwiesen, perpetuierten die Schwindelbeschwerden. Die einseitige Funktionsstörung der Otolithenorgane mit begleitender sensorineuraler Schwerhörigkeit ohne Bogengangsfunktionsstörung sind einer Störung peripher des Nucleus vestibularis zuzuordnen. Die begleitende Schwerhörigkeit könnte Hinweis auf Funktionsstörungen im Bereich der vestibulocochleären Anastomose (Oort’sches Bündel) oder des sog. Y-Nucleus vestibularis sein, wo sich cochleäre und maculäre Neurone jeweils berühren.

Copyright information

© Springer-Verlag Berlin Heidelberg 1991

Authors and Affiliations

  • M. Westhofen
    • 1
  1. 1.HamburgDeutschland

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