Deposition und Clearance inhalierter Stäube im menschlichen Kehlkopf

  • A. G. Kühn
  • Ch. Sartorius
  • J. Lamprecht
Conference paper
Part of the Verhandlungsbericht der Deutschen Gesellschaft für Hals-Nasen-Ohren-Heilkunde, Kopf- und Hals-Chirurgie book series (VBDG HNO, volume 1990 / 2)

Zusammenfassung

Auswertungen der Lokalisationsmuster von Kehlkopfkarzinomen erbrachten eine Bevorzugung der glottischen Region. In einer eigenen retrospektiven Untersuchung an 235 Patienten, die sich wegen eines Kehlkopfkarzinoms in unserer Behandlung befanden, wurde eine Bevorzugung der Glottis (36,2%) sowie der supraglottischen Region (31,4%) festgestellt. Bei alleiniger Betrachtung der Glottis zeigten sich hier wiederum Unterschiede. Ohne eine deutliche Seitenbevorzugung war das vordere Stimmbanddrittel mit 51,8% bzw. 54,4% am häufigsten befallen. Das mittlere Drittel war in 46,7% bzw. 48,9% und das hintere Drittel nur in 32,2% bzw. 40% betroffen. Es zeigte sich somit eine absteigende Häufigkeit von vorne nach hinten. Als mögliche Erklärung für diese Lokalisationsbeurteilung bietet sich die exogene Belastung z. B. durch Zigarettenrauch an. Bereits in der Vergangenheit wurden in der Erlanger Klinik, aber auch von Steiner, Pesch und Birnmeyer Untersuchungen zur bevorzugten Lokalisation des Niederschlags von inhalierten Stäuben durchgeführt. Es zeigte sich ein vermehrter Niederschlag im Bereich der vorderen Kommissur nach Inhalation von Chlorophyllstaub. Das Erlanger Modell bestand aus einer starren Röhre, die von außen keilförmig eingeengt wurde. Bei gerader Röhre fand der Strömungsverlauf bevorzugt im mittleren bis hinteren Drittel der Einengung statt, während bei einem oberhalb der Einengung abgebogenen Rohr das vordere bis mittlere Drittel bevorzugt wurde. Frühere Untersuchungen aus unserer Klinik wurden an einem aus transparentem Silikon gegossenen Kehlkopfabdruck von Leichen durchgeführt. Im folgenden legen wir die Ergebnisse einer parallelen Studie zur Filterfunktion des Kehlkopfes im lebenden Menschen vor. 15 kehlkopfgesunde Probanden inhalierten Chlorophyllstaub sowie Titandioxid. Videolaryngoskopisch erfolgte die planimetrische Mengen- und Verteilungsbestimmung sowie die Beobachtung der Clearance-Mechanismen. Die Probanden inhalierten ein Chlorophyllstaubgemisch von einer Teilchengröße von 3 bis 20 μ für 2 min bei einem Volumenflow von 21 O2/min. Es zeigte sich ein Niederschlag im Bereich der vorderen Kommissur sowie im Bereich des mittleren Stimmbanddrittels direkt nach der Inhalation. Nach der Clearance läßt sich im Bereich der vorderen Kommissur noch ein kleiner Anteil des Chlorophyllstaubs nachweisen. Die Niederschlagsmenge je Kehlkopfareal wurde mit Hilfe eines 10 Punkte-Scores bewertet. In 58,1% der Fälle war das vordere Stimmlippendrittel betroffen, in 31,3% das mittlere Drittel und in nur 10,6% das hintere Drittel. Der Vergleich der Verteilungsmuster nach Chlorophyllinhalation im Modell sowie im Kehlkopf eines gesunden Probanden zeigt eine weitgehende Übereinstimmung. Vorteil der vorgestellten Methode gegenüber dem Modell ist die Beobachtung der natürlichen Reinigungsmechanismen. Es wurden wellenförmige Bewegungen der Stimmlippen zur Reinigung ihrer Oberfläche beim Räuspern sowie Wischbewegungen der Taschenfalten festgestellt. Beim Vergleich mit dem Auge wird die Stimmlippe zur Cornea, die Taschenfalte zum Augenlid und das Räuspern zum Lidschlag. Zusammenfassend ergibt sich beim Vergleich der Ergebnisse des Niederschlagsverhaltens im Kehlkopf am Modell sowie beim gesunden Probanden mit der Lokalisation der Larynxkarzinome eine weitgehende Kongruenz.

Copyright information

© Springer-Verlag Berlin Heidelberg 1991

Authors and Affiliations

  • A. G. Kühn
    • 1
  • Ch. Sartorius
    • 1
  • J. Lamprecht
    • 1
  1. 1.DüsseldorfDeutschland

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