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Traumwandlungen, Traumsymbolik und Traumleistungen

  • Hans Winterstein
Part of the Verständliche Wissenschaft book series (VW, volume 18)

Zusammenfassung

Die Sinnesreizträume sind geeignet, auch noch in manch anderer Hinsicht uns wertvolle Aufschlüsse über die Eigenart des Traumlebens zu verschaffen. Denn wir sehen, daß die Sinneserregungen im Traum Umwandlungen mannigfacher Art erfahren. Die auffälligste ist zunächst ihre Vergröβerung. Die Dimensionen werden durch den Traum in z. T. ganz maßloser Weise übertrieben. Das Knattern der Steinchen gegen das Fenster — Gewehrfeuer, das Klingeln des Weckers — Glockengeläute, die Spieluhr — Militärmusik, ein paar Wassertröpfchen ins Gesicht — Regen und Sturm. Es wird von Träumen berichtet, in denen eine Falte im Bettuch zum Eisenbahnwagen wurde, der über das Bein hinwegfährt, der Druck des Hemdkragens zum Strick des Henkers, das Summen einer Fliege zum Lärm eines nahenden Flugzeuges, das Niesen eines Zimmergenossen zur Explosion einer Pulverfabrik. Aber in allen diesen Fällen ist, wie ersichtlich, die Sinneserregung nicht nur quantitativ, sondern auch qualitativ geändert, sie ist sozusagen umgedeutet. Diese Umdeutung braucht sich nun keineswegs auf das gleiche Sinnesgebiet zu beschränken, sie kann vielmehr von dem ursprünglichen auf ein ganz anderes verschoben werden. Um den Einfluß von Geschmacksreizen auf die Traumbildung festzustellen, hat man Studentinnen vor dem Einschlafen eine zerdrückte Gewürznelke auf die Zunge gelegt. Es wurde in der Tat eine Anzahl von Geruchs- und Geschmacksträumen ausgelöst; nur wenige bezogen sich auf das Reizobjekt. Eine Studentin aber träumte, daß ihr Haus in Flammen stände. Das Brennen auf der Zunge ist offenbar in das Brennen eines Objektes umgedeutet worden. Ein Psychiater schlief bei einer Opernvorstellung im Theater ein; er träumte, daß die Sänger, um die hohen Töne zu erreichen, auf Leitern, Treppen und Galerien an den Bühnenwänden hochklettern mußten. Unzweifelhaft ist hier die Höhe der Töne in das optische Gebiet der Raumhöhe umgedeutet worden. Es wurde erwähnt, daß, wie schon im Altertum bekannt, das Gefühl des Harndranges Träume von Wasser auslöst. Herodot berichtet einen solchen Traum, der mit dem früher erwähnten Traum der Gouvernante eine unverkennbare Ähnlichkeit zeigt: Ein König der Medier sah im Traum seine Tochter, „wie so viel Wasser von ihr ging, daß seine ganze Stadt davon erfüllt und ganz Asien überschwemmt war“.

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Copyright information

© Springer-Verlag OHG. 1953

Authors and Affiliations

  • Hans Winterstein
    • 1
  1. 1.IstanbulTurkey

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