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Syphilis

  • Helmut Vogt

Zusammenfassung

Im letzten halben Jahrhundert hat eine zunehmend wirksame Therapie in unglaublichem Maße Zahl und Schweregrad der Syphiliskranken vermindert; die gleichzeitig entwickelte Serodiagnostik ermöglichte zudem eine frühzeitige Erkennung des Leidens. Wie wenig sicher die Diagnose vor der Einführung der Komplementbindungsreaktion durch Wassermann (1906) war, zeigen viele Beispiele des Schrifttums. Hier soll die Problematik an einem Fall des amerikanischen Dermatologen L. H. Duhring (1872) anhand der Photographie und der Daten des Kranken erörtert werden. Als 6jährigerschlimme Augen“. Mit 10 Jahren Schlag auf die Nase, die stärker anschwoll und verstopfte. 3 Monate später entleerten sich aus ihr einzelne Knochenstückchen und weiterhin ab und zu knöcherne fragmente. Ein geschwüriger Zerfall ergriff zunächst Spitze und Scheidewand der Nase, um nach und nach auf Wangen, Oberlider und Stirn überzugreifen. Die Kniegelenke schwollen an. Rapide verschlechterte sich das allgemeine Befinden. — Das Bild zeigt den Zustand des 12jährigen, als er 1867 in Philadelphia ins Spital aufgenommen wurde. Trotz des ausgedehnten geschwürigen Gesichtszerfalls litt er nicht unter Schmerzen, Jucken oder Brennen; lediglich bei Abnahme der Verbände traten gewisse Beschwerden auf. Man behandelte monatelang mit Jodkali. — Duhring sah den Knaben im Mai 1871 wieder. Er war bei ständiger Appetitlosigkeit sehr abgemagert. Dauernd floß Speichel aus dem Munde. Die Beine schmerzten. Die Gesichtsulzerationen mit Ausnahme der der Lidgegenden hatten sich in strahlige Narben verwandelt. Eine dicke opake Schicht überzog beide Hornhäute und hatte das Sehvermögen fast ganz genommen. — Duhring hielt dieses furchtbare Ulcus rodens für eine Lues congenita tarda. Die Vorgeschichte war völlig leer. Eltern und sonstige Geschwister waren gesund. Ein Epitheliom glaubte er sicher, einen Lupus weitgehend ausschließen zu können. Auch heute ist die Diagnose nicht zu korrigieren. Vielleicht hat es solche furchtbaren Syphilisformen gegeben. Ähnliche Gesichtsveränderungen sind aus Philadelphia bereits in Swaim’s Panacea (1833) abgebildet (S. 66), die mit nekrotisierenden Ulzerationen an den Extremitäten sowie Gelenkauftreibungen einhergingen.

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Copyright information

© J. F. Bergmann Verlag München 1980

Authors and Affiliations

  • Helmut Vogt
    • 1
  1. 1.FlensburgDeutschland

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