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Quecksilber: Gefährdung durch Amalgam?

  • Gustav Drasch
Conference paper
Part of the Fortschritte der praktischen Dermatologie und Venerologie book series (DERMATOLOGIE, volume 14)

Zusammenfassung

Zahnamalgam ist eine Legierung, die zu etwa 50 % Quecksilber enthält. Noch vor 10 Jahren war auch in der Wissenschaft allgemein die Meinung verbreitet, daß modernes Zahnamalgam auf Grund seiner weitestgehend optimierten Zusammensetzung so stabil sei, daß hieraus praktisch kein Quecksilber freige setzt werde [8]. Seit etwa 5 Jahren ist es allerdings weitgehend unbestritten, daß Amalgamfüllungen laufend geringe Mengen an Quecksilber abgeben. Es wurde dabei jedoch immer darauf hingewiesen, daß die maximale Quecksilberbelastung des Menschen durch Amalgamfüllungen weit geringer sei als etwa die Quecksilberbelastung durch die Nahrung, insbe sondere durch Fisch und andere Meerestiere [11]. So hat eine deutsche Kommission 1989 die Menge an Quecksilber, die der Mensch maximal pro Tag von Amalgamfüllungen resorbieren kann auf 8 μg einge schätzt, im Vergleich zu 8–27 μg aus anderen Quel len, insbesondere die Nahrung [1]. Im Gegensatz hierzu hat eine Expertengruppe der WHO 1991 ge schätzt, daß Amalgamfüllungen mit 3–17 μg resor biertem Quecksilber pro Tag erheblich mehr zur Ge samtbelastung beitragen können als alle anderen Quellen mit insgesamt nur 2–3 (μg Quecksilber pro Tag [13]. Ein Grund für die großen Unterschiede bei derartigen Schätzungen ist darin zu sehen, daß die sen zunächst bereits jeweils verschiedene Emis sionsmessungen (wie z.B. die Quecksilberdampf konzentration in der Atemluft während des Kauens bzw. der Quecksilbergehalt der Nahrung) zugrunde liegen. Aus diesen Emissionswerten wurde dann durch Multiplikation mit einer Reihe von Faktoren wie beispielsweise der mittleren täglichen Kaudauer, dem Atemminutenvolumen und der pulmonalen Re sorptionsrate (für die Amalgamfüllungen) die Im mission, d.h. die Quecksilbermenge, die tatsächlich im Körper ankommt, hochgerechnet. Die aus der Nahrung resorbierte Quecksilbermenge wird analog aus der durchschnittlichen Zusammensetzung (»Warenkorb«) und Menge der Nahrung sowie der gastrointestinalen Resorptionsrate hochgerechnet. Setzt man diese zahlreichen Faktoren verschieden an, so kommt man zu völlig unterschiedlichen Schätzungen über den Einfluß der verschiedenen Quecksilberquellen auf die Gesamtbelastung. Im Gegensatz zu diesen Hochrechnungen aus Emis sionswerten haben wir versucht, die Immission, d. h. die Menge bzw. Konzentration an Quecksilber, die sich tatsächlich in den Zielorganen befindet, zu messen.

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Copyright information

© Springer-Verlag Berlin Heidelberg 1995

Authors and Affiliations

  • Gustav Drasch

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