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Tiefenpsychologische Psychotherapie der Depression

  • Ch. Reimer
Conference paper

Zusammenfassung

In meine Ambulanz kam eine Frau, deren 33jähriger Mann, ein hochbegabter Musiker, kurz zuvor mit einer depressiven Phase bei bekannter zyklothymer Depression in die Klinik eingeliefert worden war. Der Vorbehandler, ein niedergelassener Nervenarzt, hatte ihn zuvor ohne sichtbaren Erfolg medikamentös behandelt und der Ehefrau erklärt, bei ihrem Mann liege eine Stoffwechselstörung vor, wobei es sich um eine spezifische Störung an der postsynaptischen Membran handele. Die Ehefrau war über diese ihrer Meinung nach einScitige Erklärung verärgert und veranlaßte daraufhin ihren Mann zu einem Arztwechsel. Mir sagte sie, was ihr zur Erkrankung ihres Mannes aufgefallen Sci: Die erste depressive Phase trat kurz nach dem Suizid der damals 28jährigen Schwester des Patienten auf, die nach der Geburt ihres ersten Kindes von einem Hochhaus gesprungen war. Unser Patient hatte eine sehr gute und wohl auch sehr enge emotionale Beziehung zu ihr; ebenso hat er zu Sciner übrigen Familie eine enge Verbindung, allerdings wohl eher im Sinne einer sehr auffälligen Abhängigkeitsbindung: Die dominant geschilderte Mutter des Patienten rufe, so sagte mir die Frau, mindestens 3mal täglich ihren Sohn an und Sci unerträglich dirigistisch. In dieser ungelösten Abhängigkeit sah die Frau einen Zusammenhang mit der Erkrankung ihres Mannes und forderte mich auf, familientherapeutisch vorzugehen.

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© Springer-Verlag Berlin Heidelberg 1993

Authors and Affiliations

  • Ch. Reimer

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