Die infizierte Totalprothese der Hüfte

  • R. Schneider
Conference paper

Zusammenfassung

Vom Eitertropfen bei der Fadenentfernung über das kleine bakterienhaltige Hä-moserom, das nach der Entleerung in wenigen Tagen ausheilt, bis zum tiefen Infekt, dessen Heilung die Behandlung wesentlich verlängert oder das Endresultat beeinträchtigt, kennen wir eine Vielzahl von Erscheinungsformen des Infekts. Im Limmattalspital in Zürich hat eine Schwester mit dem Auftrag, sämtliche Operationswunden 3mal wöchentlich zu inspizieren, doppelt so viele Infekte registriert, wie in den Krankengeschichten festgehalten waren. Damit beweist die Infektstatistik eine mangelnde Beobachtungsgüte und Qualität der bakteriologischen Untersuchungstechnik. Diese entscheidet die früher so wichtige Frage: Septisch oder aseptisch? Dazu kommt, daß der Bakteriennachweis bei einer Prothesenlockerung ebensowenig einen Infekt beweist, wie derjenige anläßlich der Materialentfernung bei völlig reizlos geheilter Frakturosteosynthese. Der Bakteriologe kann zwischen Kontaminationskeimen und Infektkeimen nicht unterscheiden. Andrerseits kennen wir eitrige fistelnde oder nichtfistelnde Infekte mit typischem Röntgenbild, hoher Senkung und pathologisch-anatomisch nachgewiesener fibrinös-leukozytärer Entzündung, bei denen auch außerhalb einer antibiotischen Medikation keine Keime nachgewiesen werden können. Wir müssen davon ausgehen, daß eine bakterielle Wundkontamination nicht zu vermeiden ist. Die Haut läßt sich nicht vollständig sterilisieren. Der Messerwechsel nach dem Hautschnitt ist ebenso gerechtfertigt wie die peroperative Wundspülung. Um Infektstatistiken überhaupt vergleichen zu können, muß u. a. auch der Begriff „Infekt“ definiert werden. Wir verstehen darunter eine bakteriell bedingte Komplikation, die eine längere Behandlungszeit erfordert oder das Endresultat beeinträchtigt.

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Copyright information

© Springer-Verlag Berlin Heidelberg 1990

Authors and Affiliations

  • R. Schneider
    • 1
  1. 1.Klinik LindeBielSwitzerland

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