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Der interdisziplinäre Ansatz des Bielefelder Ausbildungskonzepts für Gesundheitswissenschaften

  • F. X. Kaufmann

Zusammenfassung

In der Bundesrepublik Deutschland hat sich die Vorstellung durchgesetzt, als ob „Gesundheit“ ein Problem sei, für das „die Medizin“ im wesentlichen zuständig sei. Sehen wir uns klassische Probleme des öffentlichen Gesundheitswesens an, etwa die Bekämpfung der Cholera durch Stadtsanierung oder den Arbeitsschutz und die gesundheitliche Aufklärung der Arbeiterschaft, so ist auch nicht zu bestreiten, daß Mediziner maßgeblich an der Lösung dieser Probleme beteiligt waren. Gerade in Deutschland entwickelte sich seit Ende des 19. Jahrhunderts eine sozialmedizinische Bewegung, die ihren Höhepunkt in der Zeit der Weimarer Republik fand, und v.a. im großstädtischen Bereich über Ambulatorien und kommunale Gesundheitsämter den Gesundheitszustand der Arbeiterschaft nicht nur kurativ, sondern auch durch Einwirken auf die örtlichen Verhältnisse und durch gesundheitliche Aufklärung zu verbessern suchte. Der Umstand, daß diese soziale engagierten Ärzte häufig jüdischer Herkunft waren und der Sozialdemokratie nahestanden, führte zu einer recht radikalen Eliminiereung dieser Tradition kommunaler Gesundheitspflege im Zuge der nationalsozialistischen Gleichschaltung aller gesellschaftlichen Kräfte. Das „Gesetz über die Vereinheitlichung des Gesundheitswesens (GVG) von 1934“ brachte zwar einerseits die auf das gesamte Deutsche Reich ausgedehnte Einführung von Gesundheitsämtern und damit eine v.a. erb- und rassehygienisch motivierte staatliche Gesundheitspolitik. Aber es erstickte gleichzeitig die kommunalen Initiativen und damit den sozialreformerischen Elan der Sozialmediziner. Das von den Nationalsozialisten erlassene GVG bildet übrigens bis heute die wesentliche gesetzliche Grundlage des öffentlichen Gesundheitswesens in der BRD. Seine Formulierungen sind so allgemein, daß sie die juristischen Säuberungen durch den Alliierten Kontrollrat überstanden haben. Dies soll hier nicht erwähnt werden, um sie dadurch in Mißkredit zu bringen, sonderen um auf den geringen politischen Stellenwert aufmerksam zu machen, der dem öffentlichen Gesundheitswesen zugemessen wurde.

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© Springer-Verlag Berlin Heidelberg 1990

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  • F. X. Kaufmann

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