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Psychotherapeutische Behandlungskonzepte und Erfahrungen mit suizidalen Älteren

  • M. Teising
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Part of the Internationale Kasseler Gerontologische Gespräche book series (GERONT.GESPR., volume 2)

Zusammenfassung

Immer wieder wird das Recht des alten Menschen auf eine nicht pathologisierte Selbsttötung eingefordert (siehe Munnichs in diesem Band). Es wird von Bilanzsuizid gesprochen und davon, daß diejenigen, die Therapie anbieten, sich legitimieren müssen. Es wird die Frage gestellt, ob es nicht eine Anmaßung ist, wenn Jüngere den Alterssuizid verhindern wollen. Auch im Deutschen Ärzteblatt wurde 1990 diskutiert, ob man suizidalen alten Menschen überhaupt helfen sollte und dabei die sehr ernstzunehmende Frage gestellt: „Bei wievielen, die nach einem Suizidversuch,gerettet‘ werden, können die inneren und äußeren Umstände wirklich verändert werden, daß der Betroffene lebenswillig wird?“ (BMJFFG 1988). Ich möchte die Möglichkeit und das Recht auf einen selbstgewählten Tod nicht in Frage stellen. Es geht nicht um Verhinderung des Suizids um jeden Preis. Meine Erfahrungen, die bestimmt sind durch die Begrenzung meines medizinischen, psychiatrischen und psychoanalytischen Arbeitsfeldes, haben mich aber ausnahmslos mit Menschen in Kontakt gebracht, die eben nicht frei gewählt haben, sondern in großer innerer und/oder äußerer Not, verbunden mit dem Erlebnis einer tiefen Kränkung lebten und keinen anderen Ausweg wußten. Herr Pohlmeier hat mündlich mitgeteilt, daß auch Jean Amery, der prominenteste Verfechter eines frei gewählten Todes, lebenslang gekennzeichnet durch seinen KZ-Aufenthalt, sich nach einer aktuellen Kränkung suizidierte.

Keywords

Object-loss narcissism social intervention 

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Copyright information

© Dr. Dietrich Steinkopff Verlag GmbH & Co. KG, Darmstadt 1992

Authors and Affiliations

  • M. Teising
    • 1
  1. 1.Fachbereich SozialarbeitFachhochschule KölnKöln 1Deutschland

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