Einleitung: Fragestellung und Studiendesign

  • B. Badura

Zusammenfassung

Die Bedeutung des Wortes „Gesundheit“ scheint heute kontroverser denn je. Dies und die Tatsache, daß sich die vorliegende Studie mit einer zunächst paradox klingenden Thematik: der Gesundung chronisch Kranker, beschäftigt, legen nahe, eingangs die 2 Hauptströmungen neuzeitlicher Gesundheitstheorie in Erinnerung zu rufen. Für die Anhänger von Hygieia bedeutete Gesundheit etwas Positives und Erstrebenswertes, das von der natürlichen Ordnung der Dinge und von einer klugen Lebensführung abhängt. Als wichtigste Aufgabe wurde hier die Entdeckung und praktische Nutzanwendung von Gesetzmäßigkeiten angesehen, die für Wohlbefinden und Gesundheit verantwortlich sind. Für die Anhänger von Äskulap ging es nicht primär um Förderung von Gesundheit, sondern um Behandlung von Krankheit, um die Korrektur gesundheitlicher Schäden, von denen man annahm, daß sie durch Geburt oder Lebensumstände verursacht werden, und um die dafür erforderlichen kurativen Fertigkeiten (Dubos 1959). Der vorliegenden Studie liegt die Annahme zugrunde, daß für den Genesungserfolg nach einer schweren Erkrankung beides erforderlich ist: kurative Aktivitäten im Sinne von Äskulap, aber auch gesundheitsförderliche Aktivitäten im Sinne von Hygieia. In den vergangenen Jahrzehnten ist diese 2. Problemstellung oft vernachläßigt oder gänzlich übersehen worden. Die Anhänger der Ideen von Hygieia verloren stark an Einfluß — trotz ihrer unbestreitbar großen Erfolge bei der Bekämpfung von Infektionskrankheiten, den Haupttodesursachen zu Beginn der Industrialisierung (McKeown 1982). Inzwischen zeichnet sich jedoch wieder eine Wende zu ihren Gunsten ab. Die Idee einer gesundheitsförderlichen Gestaltung von Umwelt, Verhalten und medizinischer Versorgung findet mehr und mehr Anhänger. Mediziner, Psychologen und Soziologen arbeiten heute gemeinsam an der Überwindung eines einseitig naturwissenschaftlichen zugunsten eines positiven, ganzheitlichen und sozialökologischen Gesundheitsverständnisses. Die Sozialepidemiologie ist ein Produkt dieser Zusammenarbeit. Sie verbindet Fragestellungen und Methoden von Sozialwissenschaft und klassischer Epidemiologie zur Erforschung sozialer Bedingungen von Gesundheit, Krankheit und Krankheitsbewältigung. Mit dem analytischen und methodischen Instrumentarium insbesondere von Soziologie und Epidemiologie, aber auch von Medizin und Psychologie soll in dieser Untersuchung der Frage nachgegangen werden, wie weit neben medizinischer Behandlung auch gesundheitsförderliche Aktivitäten und Lebensumstände für den Genesungsprozeß nach Herzinfarkt bedeutsam sind.

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© Springer-Verlag Berlin Heidelberg 1987

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  • B. Badura

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