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Welche Leitbilder prägen? Legitimation von Therapiezielen in der Psychotherapie

  • H. Pohlmeier
Conference paper

Zusammenfassung

Über Legitimation der Psychotherapie, insbesondere von Therapiezielen in diesem Bereich sich Gedanken zu machen, scheint zunächst verwunderlich. Es herrscht doch ein naives Selbstverständnis der Medizin, daß Therapie von Krankheit immer etwas Gutes wäre. Schließlich scheint es fraglos, daß Gesundheit besser als Krankheit und infolgedessen Gesundheit in jeder Weise zu fördern sei, also sie herzustellen und zu erhalten. Nun ist in der Medizin längst eine Situation eingetreten, daß nicht mehr alles gemacht werden darf, was gemacht werden kann. Das ist besonders aktuell geworden in den letzten Jahren durch die Fortschritte der Intensivmedizin. Im Bereich der psychologischen Medizin ist vor einigen Jahren die Legitimation der Selbstmordverhütung aktuell geworden, die sich zwischen Anmaßung und Verpflichtung bewegt (Pohlmeier 1978). Aber auch sonst ist im Bereich der psychologischen Medizin die eventuelle Fragwürdigkeit von Psychotherapie deutlich geworden, wenn z. B. im Zusammenhang mit der Aufklärungspflicht diskutiert wird, ob auch zu psychotherapeutischen Eingriffen der Patient vorher sein schriftliches Einverständnis geben soll wie bei chirurgischen Eingriffen und ob er in dem Zusammenhang auch über eventuelle Gefahren psychotherapeutischer Maßnahmen aufgeklärt werden muß. Um das Thema in übersichtlicher Form abzuhandeln, bietet sich folgende Gliederung an: zunächst werden Therapieziele in der Psychotherapie beschrieben, bei denen sich die Frage der Legitimation stellt. Als Beispiel solcher Therapieziele sollen gelten: „Selbstmordverhütung“, „Psychotherapie als Anpassung“, „Psychotherapie als Konfliktlösung“, Psychotherapie als Erziehung zu „Liebe und Arbeit“.

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© Springer-Verlag Berlin Heidelberg 1987

Authors and Affiliations

  • H. Pohlmeier

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