Genitale Kontaktinfektionen bei Homosexuellen

  • Peter Fritsch
  • Wolf-Bernhard Schill
  • Burghard Trenkwalder
Part of the Heidelberger Taschenbücher book series (HTB, volume 241)

Zusammenfassung

Daß männliche Homosexuelle eine Risikogruppe für genitale Kontaktin-fektionen darstellen, ist eine erst in den beiden letzten Jahrzehnten - vorwiegend in den USA - gewonnene Erkenntnis. Ursächlich sind hierfür sowohl physiologische als auch psychologische Momente, die mit männlichem homosexuellen Verkehr assoziiert sind:
  1. 1.

    Männliche Homosexuelle sind - im Gegensatz zu weiblichen Homosexuellen - in der Regel von hoher Promiskuität, die diejenige Heterosexueller oft weit in den Schatten stellt. Dieser psychologische Grundzug wurde früher, in den Zeiten der Diskriminierung der männlichen Homosexuellen, durch die gesellschaftlichen Umstände behindert, konnte sich jedoch in letzter Zeit im Rahmen der gesetzlichen Liberalisierung entfalten. Homosexuelle Kontaktaufnahme ist entscheidend erleichtert, so daß die Zahl der Partnerkontakte in Extremfällen schwer nachfühlbare Höhen erreicht (bis zu 100 verschiedene Partner pro Monat). Da ganz allgemein gilt, daß das Risiko der venerischen Infektion mit der Häufigkeit des Partnerwechsels korreliert ist, wäre allein hierdurch ein wesentlicher Risikofaktor gegeben.

     
  2. 2.

    Homosexueller Verkehr erfolgt durch anogenitale, orogenitale und oro- anale Kontakte. Hierdurch kommt das gesamte Spektrum der den Darm besiedelnden apathogenen, potentiell pathogenen und pathoge- nen Keime ins Spiel (was bei heterosexuellen Kontakten in nur geringem Umfang der Fall ist).

     
  3. 3.

    Homosexueller Verkehr verläuft traumatischer als der heterosexuelle; chronische Proktitis („Gay bowel Syndrome“) und blutende (Mikro- oder auch größere) Verletzungen sind keine Seltenheit. Hierdurch können auch haematogene Erreger übertragen werden.

     
  4. 4.

    Venerische Infektionen der Analregion verlaufen oft durch längere Zeit unbemerkt; gonorrhoische Proktitis oder ein tief sitzender Primäraffekt im Rectum können von vergleichsweiser milder Symptomatik sein, wodurch die Diagnostik erschwert aber die unbeabsichtigte Übertragung nicht beeinträchtigt wird.

     
  5. 5.

    Die hohe Frequenz und die sich daraus ergebende (und auch erwünschte) Anonymität homosexueller Kontakte bewirkt eine schnelle Ausbreitung venerischer Epidemien innerhalb der Risikogruppe und die sehr schwierige Erfassung der Kontaktpersonen.

     

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Copyright information

© Springer-Verlag Berlin Heidelberg 1985

Authors and Affiliations

  • Peter Fritsch
    • 1
  • Wolf-Bernhard Schill
    • 2
  • Burghard Trenkwalder
    • 1
  1. 1.Universitätsklinik für Dermatologie und VenerologieInnsbruckAustria
  2. 2.Dermatologische Klinik und Poliklinik der UniversitätMünchen 2Germany

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