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Gesellschaftstreue und Konzernrecht

  • Wolfgang Schilling

Zusammenfassung

In der 1962 erschienenen 2. Auflage des Großkommentars zum Aktiengesetz von 1937 habe ich in den Anm. 13a, 15a und b zu § 197 ausgeführt: Der Grundsatz von Treu und Glauben gilt auch im Aktienrecht und ein Verstoß gegen ihn ist eine die Anfechtung eines Hauptversammlungsbeschlusses begründende Gesetzesverletzung. Der Grundsatz bestimmt das Verhältnis des Aktionärs zur Gesellschaft, wobei diese die Aktionäre als ihr personales und das Unternehmen, eingeschlossen die Belegschaft, als ihr reales Substrat umfaßt. Inwieweit der Grundsatz, den ich den Grundsatz der Gesellschaftstreue genannt habe, ein Handeln oder Unterlassen des Aktionärs gebietet, hängt von der näheren Ausgestaltung des Verhältnisses des Aktionärs zur Gesellschaft ab, insbesondere, ob der oder die handelnden Aktionäre die Minderheit oder die Mehrheit darstellen. Der einzelne einflußlose Aktionär braucht seine eigenen Interessen nicht hinter die der Gesellschaft zurückzustellen. Anders ist es, wenn der oder die Aktionäre als Mehrheit handeln. Die einen Hauptversammlungsbeschluß durchsetzende Mehrheit repräsentiert die Gesellschaft, also die Gesamtheit einschließlich der Minderheit. Die beschließende Hauptversammlung ist Organ der Gesellschaft und die Mehrheit trifft demgemäß eine organschaftliche Verantwortung. Die Gesellschaftstreue fordert von ihr, daß sie im Falle einer Kollision den Interessen der Gesellschaft den Vorrang vor ihren eigenen gibt. Ein besonders wichtiger und häufiger Fall der Verletzung der Gesellschaftstreue ist die Verfolgung von Sondervorteilen zum Schaden der Gesellschaft oder der anderen Aktionäre. Das Aktiengesetz von 1937 hat ihn als Anfechtungstatbestand in § 197 Abs. 2 konkretisiert.

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Literatur

  1. 1.
    RG 107,72 und 203, vgl. Schilling, a.a.O., § 197 Anm. 13 a, näheres bei Wieland, Handelsrecht II (1931) 205 ff., und Filbinger, Die Schranken der Minderheitsherrschaft im Aktienrecht und Konzernrecht, Berlin 1942, S. 82 ff.Google Scholar
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    s. dazu Ballerstedt, Kapital, Gewinn und Ausschüttung bei Kapitalgesellschaften, Tübingen 1949, S. 112 ff. und Döllerer, Fragen der verdeckten Gewinnausschüttung der Aktiengesellschaft, BB 67, 1437.Google Scholar
  10. 14.
    Mestmäcker (wie in Fußn. 6) S. 332 ff., 354 ff.; Zöllner (wie in Fußn. 5) S. 87ff. m. weit. Nachw.; Schilling im Großkomm. z. AktG 2. Aufl. § 197 Anm. 15 b, § 256 Anm. 7, 13, 20.Google Scholar
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  14. 20.
    Bei Kropff, S. 329.Google Scholar
  15. 21.
    Reg Begr zu § 291 Abs. 3, bei Kropff S. 378; Döllerer wie in Fußn. 12.Google Scholar
  16. 22.
    Ebenso Würdincer im Großkomm. z. AktG § 311 Anm. 5.Google Scholar
  17. 23.
    Reg Begr zu § 292, bei Kropff S. 378; für den Pachtvertrag Würdinger im Großkomm. § 292 Anm. 20, § 302 Anm. 13; Biedenkopf-Koppensteiner im Kölner Komm. § 292 Anm. 25.Google Scholar
  18. 24.
    Reg Begr zu § 311, bei Kropff S. 408.Google Scholar
  19. 25.
    Vgl. Schilling im Großkomm. § 93 Anm. 33 f.Google Scholar
  20. 26.
    So für den Abschluß eines nachteiligen Pachtvertrages die Reg Begr zu § 302, bei Kropff S. 391, wohl auch Würdinger im Großkomm. § 302 Anm. 13.Google Scholar
  21. 27.
    Vgl. Schilling wie in Fußn. 25 Anm. 33.Google Scholar
  22. 28.
    Vgl. die Komm. z. AktG 37 zu § 197: Schlegelberger Anm. 5, Godin-Wilhelmi Anm. 5, Weipert (1. Aufl.) und Schilling 2. Aufl.) im Großkomm. Anm. 15.Google Scholar
  23. 29.
    Bei Kropff S. 379; s. auch Kropff DB 67, 2147 ff.Google Scholar
  24. 30.
    S. dazu die aufschlußreichen Ausführungen von Kropff DB 67, 2147 und 2204; ferner Biedenkopf-Koppensteiner im Kölner Komm. § 311 Anm. 56–58.Google Scholar
  25. 31.
    Bei Kropff S. 163/4.Google Scholar
  26. 32.
    Das scheinen Möhring-Tank AktG I 525 dem § 243 Abs. 2 S. 2 entnehmen zu wollen.Google Scholar
  27. 33.
    Biedenkopf-Koppensteiner im Kölner Komm. § 292 Anm. 27, Möhring-Tank (wie in Fußn. 32) I 524, Bachelin, Der konzernrechtliche Minderheitenschutz, Köln 1969, S. 67/8.Google Scholar
  28. 34.
    So z. B. Horrwitz, Recht der Generalversammlung 1913, S. 424: „Wenn die Mehrheit, um sich als solche zu erhalten oder zu einer noch stärkeren Mehrheit auszuwachsen, die Minderheit vom Bezugsrechte ausschließt, so ist diese Tatsache für sich allein noch kein Verstoß gegen die guten Sitten“; anders 10 Jahre später bei Fußn. 40.Google Scholar
  29. 36.
    Zur Kritik dieser Rechtsprechung s. Rasch wie in Fußn. 13, S. 141 ff.; Mestmäcker wie in Fußn. 6, S. 140 f.; G. Hueck, Der Grundsatz der gleichmäßigen Behandlung im Privatrecht, München 1958, S. 336; v. Falkenhausen wie in Fußn. 9, S. 74 f., 215 f.; Wiedemann in Großkomm. z. AktG 3. Aufl. § 186 Anm. 1.Google Scholar
  30. 37.
    Nach gelegentlichen früheren Anklängen wie in RGZ 107, 72 (75) und 202 (205); 108, 41 (43) und insbes. 112, 14 (17).Google Scholar
  31. 38.
    Zum Streitstand s. Zöllner wie in Fußn. 5, S. 353, Fußn. 43.Google Scholar
  32. 39.
    Zöllner wie in Fußn. 5, S. 352 und oben I 2.Google Scholar
  33. 40.
    JW 23, 918 im Gegensatz zu der in Fußn. 34 zitierten Auffassung), ebenso Bodenheimer, Das Gleichheitsprinzip im Aktienrecht, Mannheim 1933, S. 74.Google Scholar
  34. 43.
    Zöllner wie in Fußn. 5 S. 353; G. Hueck, Kapitalerhöhung und Aktienbezugsrecht in Festschr. f. Nipperdey I 427/428; v. Falkenhausen wie in Fußn. 9, S. 44 f., 70 ff., 219 ff.; Wiedemann Großkomm. 3. Aufl. § 186 Anm. 2 a.Google Scholar
  35. 44.
    Ähnlich Baumbach-Hueck § 255 Anm. 2.Google Scholar

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© Springer-Verlag Berlin · Heidelberg 1972

Authors and Affiliations

  • Wolfgang Schilling

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