Die Gleichwertigkeit der Kohlenstoffvalenzen und die Theorie von der wechselnden Valenz

  • Carl Graebe

Zusammenfassung

Als die Chemiker mit dem Ausbau der Strukturtheorie beschäftigt waren, tauchte auch die Frage auf, ob die vier Valenzen des Kohlenstoffs gleichwertig sind. Die Annahme, daß es zwei isomere Kohlenwasserstoffe C2H6 und zwei Verbindungen CH3Cl gibt, erschien sowohl nach der Radikaltheorie wie nach der Typentheorie ganz erklärlich, mußte aber nach der Strukturtheorie zu der Ansicht von Ungleichheit der Kohlenstoffvalenzen führen. Butlerow hat daher 1862 aus der Existenz jener beiden Kohlenwasserstoffe geschlossen1), „daß die Affinitätseinheiten, welche die Kohlenstoffatome verbinden, nicht dieselben in beiden Fällen sind“. In seiner Broschüre, „die modernen Theorien der Chemie,“ sagte L. Meyer2) 1864: „Nach den Untersuchungen von Baeyer gibt es zwei in ihren Eigenschaften verschiedene, also nur isomere und nicht identische Verbindungen der Formel CH3Cl. Die Verschiedenheit kann nur daher rühren, daß es nicht gleichgültig ist, welche der vier Affinitäten des Kohlenstoffs durch Chlor, welche durch Wasserstoff gesättigt wird.“ Die Verschiedenheit von Äthylwasserstoff und Dimethyl erklärte er genau wie Butlerow.

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Literatur

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Copyright information

© Julius Springer in Berlin 1920

Authors and Affiliations

  • Carl Graebe

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