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„Interkulturelle Philosophie“ als Sympraxis

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Part of the Ethische Ökonomie. Beiträge zur Wirtschaftsethik und Wirtschaftskultur book series (ETH.ÖKO., volume 2)

Zusammenfassung

Damit können wir zur Überlegung einer „interkulturellen Philosophie“ übergehen, die Interkulturalität nicht mehr als einseitigen Transfer von einer maßgeblichen abendländischen Philosophie zu einem Empfängerdenken versteht, das nur auf Rezeption warte. Vielmehr ist soziologisch und ethnologisch, auf dem Hintergrund eines gewissen Konsens heute, gleichwertige Interkulturalität der Austausch zwischen zwei tatsächlich autonomen Subjekten der Philosophie, die sich durch die Inkulturation ihrer je ganz eigenen Geschichte und Kultur nicht nur als Partner verstehen, sondern einen neuen Durchbruch des Denkens überhaupt initiieren: die Polyphonie der Stimme der Vernunft, wie sich mit Habermas zunächst sagen ließe,34 wobei diese Vernunft als „Rationalität“ nicht mehr monokulturell oder mono-ideengeschichtlich bestimmt ist, kurz gesagt: als griechischer Logos der wahr-heitsentbergenden Theoria. Bezogen auf den bisherigen intrakulturellen, soziologisch „kulturwissenschaftlichen“ Diskurs bei uns würde dies bedeuten, daß unsere eigene gesellschaftlich bedingte Forschungskonstitution durch wissenschaftlich-staatliche „Objektivierungsprozesse“ eine Handlungsrationalität einschließt, die alltäglich-reflexive Wissensstrukturen, wo Emotionalität eine größere sichtbare Rolle spielt, nicht ausklammert, sondern auf einem „höheren Syntheseniveau“ zusammenführt, das dann eben nicht mehr als „universal“ erscheint, weil tatsächliche Interkulturalität es zu einem effektiv begrenzt „ethnologischen Faktum“ gerinnen läßt.

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Notes

  1. 34.
    Vgl. Nachmetaphysisches Denken, Frankfurt a. M. (Suhrkamp) 1989, S. 153 ff. Für R. A. Mall ist daher das Philosophieren keine exklusive Eigenschaft nur einer bestimmten Kultur; vgl. Philosophie im Vergleich der Kulturen, Darmstadt (Wissenschaftl. Buchgesellschaft) 1995. Außerdem Chr. Sand: Die große Freiheit. Über einige Ähnlichkeiten und Unterschiede in den Freiheitsverständnissen der europäischen, indischen und chinesischen Philosophie, Cuxhaven-Dartford (Junghans) 1994.Google Scholar
  2. 35.
    Hier sehen wir die entscheidende Grenze zu dem auch philosophisch ausgezeichnet informierten wissenssoziologischen Programm von W. Engler: Selbstbilder (1992), bes. S. 138 ff.: „Analytik der objektivierenden Urteilskraft“.Google Scholar
  3. 36.
    Besonders mit dem Namen Michel Foucaults verbunden; vgl. W. Berger: Das Bedürfnis und sein Schatten (1992), S. 150–193: „Das ortlose Theater der Kritik“; W. Engler: Selbstbilder (1992), S. 195 ff., 229 ff.Google Scholar
  4. 37.
    Vgl. H.-L. Ollig (Hrsg.): Philosophie als Zeitdiagnose. Ansätze der deutschen Gegenwartsphilosophie, Darmstadt (Wissenschaftl. Buchgesellschaft) 1991. H. Lübbe: Im Zug der Zeit. Verkürzte Aufenthalte in der Gegenwart, Berlin u. a. (Springer) 1991, sieht auch eine Kompensation der Nachteile.Google Scholar
  5. 38.
    K. Stierle: „Semiotik als Kulturwissenschaft“, Zeitschrift für französische Sprache und Kultur, 83 (1973), S. 99–128, hier S. 104.Google Scholar
  6. 39.
    Vgl. „Probleme des interkulturellen Dialogs in der Philosophie“, in: R. Fornet-Betancourt (Hrsg.): Diskursethik oder Befreiungsethik? (1989), S. 7–15. Außerdem F. Wimmer: Interkulturelle Philosophie I (1990), der vor allem die Philosophiegeschichte in bezug auf gelungene und verengte Kulturrezeptionen untersucht, sowie R. A. Mall/D. Lohmar (Hrsg.): Philosophische Grundlagen der Interkulturalität (1993): Beiträge von F. Wimmer, B. Waldenfels, M. Wälde, E. Holenstein, R. Ohashi, H. Kimmerle zum Beispiel. Außerdem K. Held: „Europa und die interkulturelle Verständigung. Ein Entwurf im Anschluß an Heideggers Phänomenologie der Grundstimmungen“, in: H.-H. Gander (Hrsg.): Europa und die Philosophie (Martin-Heidegger-Gesellschaft Schriftenreihe 2), Frankfurt a. M. (Klostermann) 1992, S. 87–104; B. Ostendorf (Hrsg.): Multikulturelle Gesellschaft. Modell Amerika, München (Fink) 1994.Google Scholar
  7. 40.
    Vorlesungen über die Philosophie der Geschichte (Werke 12), Frankfurt a. M. (Suhrkamp) 1970, S. 114.Google Scholar
  8. 41.
    Vgl. ausführlicher zu dieser lebensphänomenologischen Analyse R. Kühn: Leiblichkeit als Lebendigkeit, Freiburg/München (Alber) 1992, S. 453 ff.Google Scholar
  9. 42.
    Dieser Begriffsvorschlag stammt gleichfalls von R. Fornet-Betancourt: „Probleme des interkulturellen Dialogs in der Philosophie“ (1992), S. 12 f.Google Scholar
  10. 43.
    Vgl. aus der zahlreichen Literatur J. Marti: „Unser Amerika“, in: A. Rama (Hrsg.): Der lange Kampf Lateinamerikas, Frankfurt a. M. 1962. Oder auch für Afrika H. Kimmerle: Philosophie in Afrika — Afrikanische Philosophie. Annäherungen an einen interkulturellen Philosophiebegriff Frankfurt a. M. (Qumran/Campus) 1991; Die Dimension des Interkulturellen. Philosopie in Afrika-afrikanische Philosophie. 2. Teil: Supplemente und Verallgemeinerungsschritte (Studien zur interkulturellen Philosophie), Amsterdam/Atlanta (Rodopi) 1994. Über beide Kontinente: Dialektik 2, (1993): „Neue Welt und Europa“.Google Scholar
  11. 44.
    Zu dieser ontologisch-phänomenologischen Grundfrage in Auseinandersetzung mit Husserls Prinzip „zu den Sachen selbst“ (das heißt Zugang) vgl. M. Henry: Radikale Lebensphänomenologie. Ausgewählte Studien zur Phänomenologie, Freiburg/München (Alber) 1992, S. 69 ff., 251 ff.Google Scholar
  12. 45.
    Vgl. Cassiodorus, F.: Patrologia latina, Bd. 69–70, hrsg. v. Migne, Paris 1841; Th. Heerklotz: Die Variae des Cassiodorus als kulturgeschichtliche Quelle, Berlin 1926; F. Brunhölzle: Geschichte der lateinischen Literatur im Mittelalter, München (Fink) 1975, S. 27–42. Außerdem zu diesen kulturell reichen Denkweisen des mittelalterlichen Menschen U. Eco: Kunst und Schönheit im Mittelalter, München (DTV) 1993.Google Scholar
  13. 46.
    Vgl. K. Röttgers: „Narrative Soziologie“, Grounded. Arbeiten aus der Sozialforschung, II/2 (1989), S. 47–59; B. Waldenfels: In den Netzen der Lebenswelt, Frankfurt a. M. (Suhrkamp) 1985; P. Kiwitz: Lebenswelt und Lebenskunst, München (Fink) 1986.Google Scholar
  14. 47.
    Ideologie und Utopie (1929), Frankfurt a. M. (Schulte Bulmke) 1965; „Ideologie und soziologische Interpretation der geistigen Gebilde“, in: V. Meya/N. Stahr (Hrsg.): Der Streit um die Wissenssoziologie I, Frankfurt a. M. (Suhrkamp) 1982, S. 213 ff.Google Scholar
  15. 48.
    Zur gegenwärtig interkulturellen Debatte in Frankreich vgl. R. Polin: La création des cultures. D’une philosophie de l’histoire à une philosophie des cultures (1993); ebenfalls R. Kühn: Französische Reflexions-und Geistesphilosophie (1993), S. 213–221: „Französische Philosophie heute“.Google Scholar

Copyright information

© Physica-Verlag Heidelberg 1996

Authors and Affiliations

  1. 1.Institut für Philosophie derUniversität WienWienGermany

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