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Kulturelle Immanenz des Ethos

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Part of the Ethische Ökonomie. Beiträge zur Wirtschaftsethik und Wirtschaftskultur book series (ETH.ÖKO., volume 2)

Zusammenfassung

Josef Simon30 sieht in der Freiheit als ethischer Verantwortlichkeit am besten die zweifache Realität des Wahrheitsimperativs und der historischen Kontingenz gewahrt. Damit ist neben einer Theorie des Urteils, das nicht nur Behauptung ist, eine Trennung von wissenschaftlicher Objektivität und hermeneutischer Teleologie gefordert, die aber eine tiefere Einheit voraussetzt, insofern Wahrheit und Freiheit aufeinander bezogen bleiben, und zwar als die „Vermittlung“ aller Dinge als „Mitte“ im Namen der Freiheit. Dieser Vermittlungsraum ist ohne Zweifel die Kultur, die alle Realität bereits auf Lebensbewahrung und Lebensbewältigung hin prädestiniert hat, ohne welche auch keine Freiheit sich vermittelnd und vermittelt verwirklichen könnte. Damit bleibt zu fragen, ob das Bedürfen, falls nicht der Schatten immer schon vorgestellter Kultur (in Werken, Institutionen, Lebensformen usw.) auf es fallen soll, in sich selbst bereits alle Kultur als Leben ist und somit auch „Kultur“ vor der Freiheit begründet, sofern das Bedürfen keine Folge der Freiheit ist, sondern im affektiven „Wollen“ sich ankündigt, das an die innere Lebensgabe ohne Freiheitsentscheidung im Sinne einer existentiellen Haltung gebunden ist.

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Notes

  1. 30.
    Vgl. Wahrheit als Freiheit. Zur Entwicklung der Wahrheitsfrage in der neueren Philosophie, Berlin (De Gruyter) 1978, hier bes. S. 423 ff.Google Scholar
  2. 31.
    So sieht J. Derrida „Übergang“, bevor er ihn später als différance (Differänz) definierte, die an sich das „absolute Phänomen“ gegenüber der identifizierten Gegebenheit ist; vgl. seine Einleitung zu E. Husserl: L’origine de la géométrie, Paris (P.U.F.) 1962, 3–171, hier S. 165.Google Scholar
  3. 32.
    Vgl. A. Comte: Système de politique, ou Traité de Sociologie instituant la Religion de l’Humanité, t. II: La Statique sociale, ou le Traité abstrait de Vordre humain, Paris (Carilian-Goeury/Dalmont) 1852, S. 7 ff. (Kap. I: „Théorie générale de la Religion, ou Théorie positive de l’unité humaine“); Rede über den Geist des Positivismus, hrsg. v. I. Fetscher, Hamburg (Meiner) 1956, S. 41 ff. (Kap. 1.2.1). Weiterhin F. Jodl: Geschichte der Ethik, 2 Bde, Stuttgart/Berlin 1882–89 (Reprod. 1965). Für heute vgl. zum Beispiel G. Vollmer: Evolutionäre Erkenntnistheorie, Stuttgart (Hirzel) 1975, S. 84 ff., über biologische und kulturelle Evolution.Google Scholar
  4. 33.
    Zur Unterscheidung einer phänomenologischen und existenzial-organischen Analyse des Grenzphänomens „Vergessen“ vgl. J.-L. Chrétien: L’inoubliable et l’inespéré, Paris (Desclée de Brouwer) 1990, und S. Grätzel: Organische Zeit. Zur Einheit von Vergessen und Erinnern, Freiburg/München (Alber) 1993.Google Scholar
  5. 34.
    Vgl. M. Henry: Die Barbarei. Eine phänomenologische Kulturkritik, Freiburg/München (Alber) 1994, S. 267 ff., 334 ff. (franz. Orig.: La Barbarie, Paris [Grasset] 1987).Google Scholar
  6. 35.
    Vgl. die entsprechende Kriteriendiskussion bei R. Wimmer: „Zur ethischen Problematik der Keimbahn-Gentherapie am Menschen“, Zeitschrift für philosophische Forschung, 44 (1990), S. 55–67; „Die veränderte Wissens-und Handlungssituation in den Wissenschaften vom Leben“, in: K. Steigleder/D. Mieth (Hrsg.): Ethik in den Wissenschaften, Tübingen (Attempto) 1990, S. 230–259. Zum Stand augenblicklicher Diskussion in der Medizinethik vgl. auch J. Widder: „Unheilbarkeit, Hinfälligkeit, Sterblichkeit. Zur ethischen Dimension der modernen Medizin“, Geschichte der Gegenwart, 11/4 (1992), S. 276–289; „Die Beschränkung der Ethik in der Medizin“, Wiener Medizinische Wochenschrift, 7 (1995), S. 23–26 (jeweils weitere Lit.).Google Scholar
  7. 36.
    Vgl. J.-L Marion: Réduction et donation. Recherches sur Husserl, Heidegger et la phénoménologie, Paris (P.U.F.) 1989, hier vor allem S. 48 ff., 233 ff.Google Scholar
  8. 37.
    Vgl. S. Gehlhaar: Die frühpositivistische (Helmholtz) und phänomenologische (Husserl) Revision der Kantischen Erkenntnislehre, Cuxhaven (Junghans) 1991, S. 114 ff.Google Scholar
  9. 38.
    Vgl. zum Beispiel E. Husserl: Die Idee der Phänomenologie. Fünf Vorlesungen (Text nach Husserliana II), Hamburg (Meiner) 1986 (2. Vorlesung).Google Scholar
  10. 39.
    Wenn auch metaphysisch-ontologisch, so verwies auch schon früher C. Bruaire auf eine unlösbare Verknüpfung allen (konzeptuellen) Sprechens mit dem leiblich-„phonetischen“ Ausdrucksvermögen; vgl. Philosophie du corps, Paris (Seuil) 1968, S. 21 ff. Zur mehr sinnhermeneutischen Sprachverankerung in der leiblichen Gestik vgl. außerdem bereits M. Merleau-Ponty: Phénoménologie de la perception, Paris (Gallimard) 1945, S. 217 ff.Google Scholar

Copyright information

© Physica-Verlag Heidelberg 1996

Authors and Affiliations

  1. 1.Institut für Philosophie derUniversität WienWienGermany

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