Advertisement

Ethos phänomenologischer Grenzerfahrung

Chapter
  • 14 Downloads
Part of the Ethische Ökonomie. Beiträge zur Wirtschaftsethik und Wirtschaftskultur book series (ETH.ÖKO., volume 2)

Zusammenfassung

Wenn damit die Zeit als Begründung für eine Ethik ausgeklammert ist, worin das originäre Sagen als alter-native „Spur“ durch das Gesagte bloß immer wieder hindurchbricht, ohne eingeholt werden zu können, weil das Gesagte sich dis kursiv-immanent verfestigt, ohne selbst die lebendige Immanenz des Ursprungs zu sein, muß jetzt in einem weiteren Schritt gefragt werden, ob das Ethos des Lebens nicht zuallererst das „Ethische“ der Philosophie selbst ausmacht, anstatt in der Ethik unbefragt eine sofortige Gesetzgebung für die Welt und das Mitsein zu sehen. Die Autoreferentialität der Lebensphänomenologie impliziert eine „Philosophie an der Grenze“ in dem Sinne, daß die Maieutik dieser Philosophie versucht, sich im „Augenblick“ ihrer ständigen Geburt im Leben zu halten, ohne daß das philosophische Denken dabei selbst sein „Leben“ verliert, das heißt nach Kant in die „Schwärmerei“17 verfällt. Wenn Philosophie solcher Schritt an die Grenze ist, ohne die Grenze zu überschreiten, um darin ihre Grenze zu ziehen, dann ist zumal die Phänomenologie solche Grenzbeschreitung, da sie von der Epoché „lebt“, worin die „Selbstgegebenheit“ letzte anvisierte Realität ist, das heißt: Freude/Erleiden als Wesen des Lebens ohne repräsentierend denkbare Dif-ferenzierung läßt Bezug oder Bindung so zum Ursprung allen Erscheinens werden, daß „transzendentale Geburt“ das Gesetz dieses Übergangs ist, welcher kein „Sterben“ kennt, da die Dichotomie Leben/Sterben sich phänomenologisch-sichtbar nur da vollzieht, wo „Welt“ ist.

Preview

Unable to display preview. Download preview PDF.

Unable to display preview. Download preview PDF.

Notes

  1. 17.
    Vgl. „Von einem neuerdings erhobenen vornehmen Ton in der Philosophie“ (1796), in: I. Kant: Gesammelte Schriften 8 (Akademie-Ausgabe), Berlin (De Gruyter) 1923, S. 387–406. Dazu Kommentar von J. Derrida: „D’un ton apocalyptique adopté naguère en philosophie“, in: Les fins de l’homme à partir du travail de Jacques Derrida, Paris (Galilée) 1981, S. 445–486.Google Scholar
  2. 18.
    Vgl. Cartesianische Meditationen (Husserliana I), Den Haag (Nijhoff) 1963, S. 45 ff. (§ 2): „Notwendigkeit eines radikalen Neubeginns der Philosophie“.Google Scholar
  3. 19.
    Vgl. F.-D. Sebbah: „Eveil et naissance. Quelques remarques à partir d’ Emmanuel Lévinas et Michel Henry“, Alter. Revue de Phénoménologie, 1 (1993), S. 209–235, wo Erwachen und Geburt als phänomenologische „Grenzphänomene“ befragt werden, allerdings ohne Blick auf die Ethik.Google Scholar
  4. 20.
    Vgl. E. W. Orth (Hrsg.): Logik, Anschaulichkeit und Transparenz. Studien zu Husserl, Heidegger und die französische Phänomenologie (Phänomenologische Forschungen 23), Freiburg/München (Alber) 1990.Google Scholar
  5. 21.
    F. Kambartel: „Universalität und Lebensform. Zu den (unlösbaren) Schwierigkeiten, das gute und vernünftige Leben über formale Kriterien zu bestimmen“, in: W. Oelmüller (Hrsg.): Normbegründung — Normendurchsetzung (Materialien zur Normendiskussion 2), Paderborn (Schönigh) 1978, S. 11–21, mit Diskussion S. 159–183.Google Scholar
  6. 22.
    Vgl. Die Sprache der Moral, Frankfurt a. M. (Suhrkamp) 1973, S. 19 ff.Google Scholar
  7. 23.
    Vgl. M. Henry: Radikale Lebensphänomenologie. Ausgewählte Studien zur Phänomenologie, Freiburg/München (Alber) 1992, S. 30 f., 182 f., 207 ff.Google Scholar
  8. 24.
    Vgl. dazu die Überlegungen auf dem Hintergrund moderner Zweckrationalität (M. Weber) und Autonomie (I. Kant) bei O. Höffe: „Sittlichkeit als Rationalität des Handelns“, in: H. Schnädelbach (Hrsg.): Rationalität. Philosophische Beiträge, Frankfurt a. M. (Suhrkamp) 1984, S. 141–174, hier S. 148 ff.Google Scholar
  9. 25.
    Vgl. R. Kühn: Studien zum Lebens-und Phänomenbegriff (1994), Kap. VIII. 2: „Lebenswert und Lebensgefühl — ein Ethikentwurf“ (S. 374–392).Google Scholar
  10. 26.
    Vgl. Theologische Jugendschriften, hrsg. v. H. Nohl, Tübingen (Mohr) 1907.Google Scholar
  11. 27.
    Dadurch sind „primäre Welt“ und eine durch den linguistic turn Wittgensteinscher Prägung erweiterte „Lebenswelt“ ethisch-kulturell schon originär miteinander verbunden, ohne diese Verbundenheit durch transzendental-pragmatische Interexistenziale, welche die verabschiedete „Subjektivität“ ersetzen sollen, erst konstruieren zu müssen, wie bei Th. Rentsch: Die Konstitution der Moralität. Transzendentale Anthropologie und praktische Philosophie, Frankfurt a. M. (Suhrkamp) 1990.Google Scholar
  12. 28.
    Vgl. H.-U. Hoche: Elemente einer Anatomie der Verpflichtung, Freiburg/München (Alber) 1992.Google Scholar
  13. 29.
    Wir erinnern an die frühe Unterscheidung von „Gesinnungs-und Erfolgsethik“ bei P. H. Hensel, WO die heutigen Debatten zwischen reinem Wollen und Handlungspragmatik sich schon teilweise abzeichnen; vgl. Ethisches Wissen und ethisches Handeln, Habilitationsschrift Universität Straßburg 1888.Google Scholar

Copyright information

© Physica-Verlag Heidelberg 1996

Authors and Affiliations

  1. 1.Institut für Philosophie derUniversität WienWienGermany

Personalised recommendations