Advertisement

Wirtschaftskultur oder Lebenskultur?

Chapter
  • 13 Downloads
Part of the Ethische Ökonomie. Beiträge zur Wirtschaftsethik und Wirtschaftskultur book series (ETH.ÖKO., volume 2)

Zusammenfassung

Wenn der Produktionsprozeß immer mehr Menschen entläßt und die weiteren notwendigen Stunden lebendiger Arbeit noch mehr reduziert werden, dann ist das daraus entstehende neue kulturelle Problem nicht ausreichend mit dem Begriff „Freizeit“ aufgezeigt, so als käme es nur auf eine andere Verrechnung von „Zeit“ an. Vielmehr stoßen wir einerseits auf die „Freisetzung“ von Potentialitäten der Individuen, die nicht mehr von der bisherigen ontologischen wie geschichtlichen Verknüpfung Leben/Arbeit absorbiert und gelenkt werden. Auf der anderen Seite stehen kulturell keine glaubwürdigen Sinn-Allgemeinheiten, Weltanschauungen und Geschichtsziele mehr bereit, die dem Einzelnen noch verbindlich und überzeugend sagen würden, in welche Richtung er seine Kräfte zu investieren habe. Natürlich wird dieses Vakuum nicht verhindern, daß radikale Gruppenideologien gerade in dieser Zeit wieder geboren werden, um diese Aufgabe den Einzelnen abzunehmen, wie etwa bei uns der Neo-Nazismus (als eine Spielart des „Fundamentalismus“), wobei aber überhaupt über eine Möglichkeit der „Rückkehr“ des Faschismus zu reflektieren wäre, dessen Gefahr keineswegs gebannt ist.

Preview

Unable to display preview. Download preview PDF.

Unable to display preview. Download preview PDF.

Notes

  1. 1.
    Angesichts des Zusammenbruchs des Gesamtheitskonzepts des Marxismus, der eben mehr war als nur eine Wirtschaftstheorie, und des unzureichenden Pragmatismus des Westens fordert daher P. Koslowski einen heute notwendigen Alternativentwurf, der — wie schon zuvor erwähnt-„nur in einem philosophischtheologisch-ökonomischen Systementwurf bestehen kann, der die theologische Metaphysik und die Wirtschaftsphilosophie der sozialen, ökologischen und ethischen Marktwirtschaft in einer umfassenden Theorie der Gesamtwirklichkeit von Kultur und Natur vereinigt“. Vgl. Gesellschaftliche Koordination. Eine ontologische und kulturwissenschaftliche Theorie der Marktwirtschaft, Tübingen (Mohr) 1991, S. 3. Die epistemologische Grundreferenz bleibt aber hierbei die ratio, die als kulturell-philosophisch-ökonomische Dimension „alles Seiende umfaßt“. Entsprechend ist der verwandte Lebensbegriff rein ekstatisch-hermeneutisch: „Philosophie, Theologie und Ökonomie zielen auf denselben Zweck, auf das richtige Leben und den richtigen Gebrauch der wertvollsten Ressourcen.“ (Ebd. S. 2) Da jedoch in diesem Entwurf die Kultur integraler Bestandteil der Ökonomie ist (vgl. bes. S. 67 ff. im Anschluß an Gustav von Schmoller), kann uns diese Arbeit dennoch im folgenden als Referenz für das kritische Bemühen um eine „Kultivierung“ der Gesamtwirklichkeit dienen, ohne die Unterschiede zum lebensphänomenologischen Ansatz zu verwischen.Google Scholar
  2. 2.
    Vgl. zur Diskussion neuer korporativer Entscheidungsziele etwa H. Lenk/ M. Maring (Hrsg.): Wirtschaft und Ethik, Stuttgart (Reclam) 1992, hierin bes. S. 317–328: P. French: „Die Korporation als moralische Person“; F. X. Kaufmann: Der Ruf nach Verantwortung, Freiburg i. Br. (Herder) 1993, S. 48 ff., 81 ff.; P. Koslowski: Wirtschaft als Kultur. Wirtschaftskultur und Wirtschaftsethik in der Postmoderne, Wien (Passagen) 1989, S. 101 ff.: „Ethische Ökonomie und Kulturelle Ökonomie“; Gesellschaftliche Koordination (1991), S. 66 ff.: „Ethische Ökonomie als Synthese von ökonomischer und ethischer Theorie“. Außerdem E. S. Phelps: Altruism, Morality, and Economic Theory, New York (Sage Foundation) 1975.Google Scholar
  3. 3.
    Gesellschaftliche Koordination (1991), S. 10. Entsprechend kritisiert er auch eine „Sozialstaatsillusion“, die allein auf Besitzstandswahrung ausgerichtet ist wie das Sozialversicherungssystem der BRD; vgl. Wirtschaft als Kultur (1989), S. 137–167: „Der soziale Staat der Postmoderne“. Vgl. auch A. Sen: Ökonomische Ungleichheit, Frankfurt (Campus) 1975.Google Scholar
  4. 4.
    Wirtschaft als Kultur (1989), S. 13. Daß dabei systematisch-modellhaft auf Leibniz’ calculus de maximis et minimis zurückgegriffen wird (bes. S. 19–26), verweist von vornherein auf eine phänomenologische Selbstbeschränkung im Sinne reiner Welttranszendenz als gesetzte „Schöpfung“ (einschließlich Gott), wozu auch die Leibnizsche „Monade“ gehört, sofern sie durch Wahrnehmung und Perspektiven (ekstatische Schau) definiert ist und gerade die absolut transzendentale Monade als radikale Subjektivität nicht miterfaßt. Vgl. zu dieser Analyse näherhin R. Kühn: Studien zum Lebens-und Phänomenbegriff Cuxhaven (Junghans) 1994, Kap. III.1: „Die Theodizeefrage als Problem der Weltphänomenalität“ (S. 116–126).Google Scholar
  5. 5.
    Vgl. Zur Kritik der Hegeischen Rechtsphilosophie [Kritik des Hegeischen Staatsrechts § 261–313] (Marx-Engels, Werke 1), Berlin (Dietz) 1972, S. 205: „Familie und bürgerliche Gesellschaft erscheinen als der dunkle Naturgrund, woraus das Staatslicht sich entzündet.“ P. Koslowski plädiert deshalb auch dafür, daß „der gesellschaftliche Gesamtdiskurs nicht von einer Diskursform getragen werden kann, sei es der Markt oder die demokratische Abstimmung“, sondern eine Pluralität von Diskursen oder institutionalisierten Entscheidungssystemen verlangt. Er erkennt aber auch an, daß „Stellvertreterdiskurse“ wie in der parlamentarisch-demokratischen Repräsentation „immer unvollkommen“ bleiben müssen (S. 54 f.) und von der Wortmächtigkeit abhängen, um überhaupt an Diskursen teilzuhaben. Vgl. Wirtschaft und Kultur (1989), S. 47 f., 72 ff., wo auch auf Rorty’s These eingegangen wird, über die demokratische Diskussion hinaus gäbe es keine philosophische mehr, was unsere Kritik am hypostasierten demokratischen „Wahrheitsbegriff“ gut beleuchten kann. Vgl. R. Rorty: „Der Vorrang der Demokratie vor der Philosophie“, Zeitschrift für philosophische Forschung, 42 (1988), S. 7.Google Scholar
  6. 6.
    P. Koslowski: Gesellschaftliche Koordination (1991), S. 8. Im Zusammenhang mit Motiv und Handlung, und zwar im Anschluß an Dilthey, wird S. 79 ff. gefordert, daß für eine „Verstehende Wirtschaftslehre“ ökonomische, ästhetischkulturelle und ethische Rationalität sich zu durchdringen habe, um Einseitigkeiten des Ökonomismus, des Ästhetizismus und als Moralismus zu vermeiden. Der Zentralbegriff der Sprangerschen „Stellungnahme“ (S. 83 f.) verstärkt dabei diesen hermeneutischen Verstehensprimat des „Sinnverstehens“, in der sich Werterleben und Nützlichkeitsabwägung miteinander verbinden. Dabei wird das „Ästhetische“ durch den Markt dann so begründet, daß der „wirtschaftliche Produzent in seinem Erleben und Ausdrücken von Qualitäten eines Gutes den Rezipienten in anderer Weise und in höherem Maße in den Produktionsprozeß miteinbeziehen muß als der künstlerische und wissenschaftliche Produzent“ (S. 85). Damit ist grundsätzlich das ästhetische Moment beim individuellen Hersteller anerkannt, aber es existiert nicht „an“ der Ware (und damit nicht in einem Marktautomatismus), sondern nur dank der „Erlebnisfähigkeit“ bei Produzent und Konsument als transzendental-sinnlichen Wesen. Zur weiteren Diskussion vgl. Wirtschaft und Kultur (1989), S. 78 ff. u. 101 ff., zur „Kultivierung des Unternehmers“ und zu seinen schöpferischen Leistungen im Sinne „poietisch-ontologischer Gerechtigkeit“ über die „diskursive Gerechtigkeit“ hinaus.Google Scholar
  7. 7.
    M. Henry: Die Barbarei. Eine phänomenologische Kulturkritik, (Alber)Freiburg/München, 1994, bes. S. 183 ff., 270 ff.Google Scholar
  8. 8.
    Für die epistemologisch-methodischen Widersprüche im neodarwinistisch-kybernetisch-informationstheoretischen Lebensbegriff vgl. D. Wyss: Vom zerstörten zum wiederentdeckten Leben. Kritik der modernen Biologie, Göttingen: (Vandenhoeck amp; Ruprecht) 1986. Liest man aufmerksam den Entelechie-, Kraft-oder Begierdebegriff bei P. Koslowski, so sind hier die Vorbehalte gegen einen sich-selbstoffenbarenden Lebensbegriff auch mitgegeben; vgl. Gesellschaftliche Koordination (1991), S. 47: „Das unbefragte Akzeptieren jedes faktischen Bedürfnisses als einer absoluten Nötigung zur Wahl macht verantwortliche Freiheit obsolet.“ Hier wird zwar im Kontext eine rein ökonomistische verantwortliche Freiheit obsolet.“ Hier wird zwar im Kontext eine rein ökonomische Theorie der Bedürfnisse kritisiert, aber es klingt doch an, daß „rationale Freiheit“ das nicht weiter in seinem Eigenwesen differenzierte „Bedürfen“ lenkt und ontologisch über ihm stehe.Google Scholar
  9. 9.
    Vgl. P. Koslowski: Gesellschaftliche Koordination (1991), S. 50, wo sich dann doch auch eine implizite Auffassung vom Selbstwissen als Bedürfnis durchsetzt, das nicht vom reinen Kostenargument gedeckt ist: „Man kann den Schluß ziehen, daß im Markt Bedürfnisse feiner registriert und wahrscheinlich vom Individuum auch präziser wahrgenommen werden, weil der einzelne für ihre Befriedigung bezahlen muß.“ Es bleibt hierbei die Kardinalfrage, wer eigentlich „im Markt“ letztlich registriert: der Markt selbst oder das Bedürfen als absolute Subjektivität? Eine Entität oder ein Empfinden, wozu auch die Kosteneinschätzung als Empfinden gehören würde? Wollungen, Begierden, Präferenzen etc. sind keine Sachverhalte, die wie Dinge neben uns liegen und dementsprechend auch nicht wie solche hantiert und benannt werden können. Wir erkennen an, daß der im folgenden erwähnte Krieg, im Zusammenhang mit einer phänomenologischen „Aggressionsanalyse“, sowohl eine Herausforderung an die Lebensphänomenologie als solche wie an jede Kulturphilosophie überhaupt ist. Für eine solche notwendige Diskussion vgl. problematisierend mit ökonomischem Hintergrund G. Kohler: „Krieg, Politik und Markt. Kants Versprechen. Überlegungen am Ende der großen Konkurrenz“, Zeitschrift für Philosophische Praxis, 1 (1994), S. 12–19 (Lit.); H. von Stietencron/J. Rüpke (Hrsg.): Töten im Krieg, Freiburg/München (Alber) 1994.Google Scholar
  10. 10.
    Vgl. P. Koslowski: Gesellschaftliche Koordination (1991), S. 39 f.: „Der Markt ist eine Einrichtung zur Vermittlung und Koordination individueller Strategien entelechialer Freiheit und Selbstverwirklichung. Seine Funktion der Entdekkung, Erzeugung von Wissen in der Gesellschaft und seine Funktion der Kontrolle und Überprüfung von Handlungsergebnissen und Leistungen sind Hilfsfunktionen für den Zweck der essentiellen, individuellen Freiheit zu handeln […] Ein gesellschaftlicher Koordinationsmechanismus muß zur selben Zeit dem Bedürfnis nach der menschlichen Subjektivität Rechnung tragen und die ständige Überprüfung der wirtschaftlichen Durchführbarkeit von Selbstverwirklichungsstrategien sicherstellen.“ Der Markt ist damit eine lebensabgehobene Entität, so wie die hier genannte „Subjektivität“ nur die empirisch-erscheinende Subjektivität der „personalen Selbstverwirklichung“ ist. Vgl. auch J. M. Buchanan: „individual Choice in Voting and the Market“, Journal of Political Economy, 62 (1954), S. 334–343; „Is Economics the Science of Choice?“, in: E. Streissler (Hrsg.): Roads to Freedom. Essays in Honour of Friedrich A. von Hayek, London 1969, S. 47–64.Google Scholar
  11. 11.
    Vgl. M. Henry: Du communisme au capitalisme. Théorie d’une catastrophe, Paris (Jacob) 1990, S. 217 ff. Zur Begriffsgeschichte von „Leben“ vgl. auch R. Kühn: Studien zum Lebens-und Phänomenbegriff, Cuxhaven (Junghans) 1994, S. 18 ff. (mit Lit.); speziell zum Vitalismus: F. M. Wuketits: „Die Überwindung von Mechanismus und Vitalismus. Auf dem Weg zu einer neuen Biophilosophie“, Philosophia naturalis, 19/3–4 (1982), S. 371–391, ohne damit die phänomenologische Problematik eingeholt zu haben. Sowie neuerdings B. IRRGANG: Lehrbuch der Evolutionären Erkenntnistheorie. Evolution, Selbstorganisation, Kognition, Basel/München (Reinhardt) 1992; G. Pöltner: Evolutionäre Vernunft. Eine Auseinandersetzung mit der Evolutionären Erkenntnistheorie, Stuttgart u. a. (Kohlhammer) 1993.Google Scholar
  12. 12.
    Vgl. P. Koslowski: Gesellschaftliche Koordination (1991), S. 21 f.; Wirtschaft und Kultur (1989), S. 28 f., mit Verweis auf M. Guéroult: Leibniz. Dynamique et Metaphysique, Paris (Aubier-Montaigne) 1967, S. 215–235. — Der Gedanke eines „kontraktiven Rückzugs“ Gottes als Welterschaffungsmotiv findet sich bei Simone Weil in der Neuzeit wieder, die gleichfalls eine metaphysisch orientierte Gesellschaftsordnung entwirft; vgl. R. Kühn: Deuten als Entwerden. Eine Synthese des Werkes S. Weils in hermeneutisch-religionsphilosophischer Sicht, Freiburg-Basel-Wien (Herder) 1989, S. 17 ff., 389 ff.Google Scholar
  13. 13.
    Vgl. etwa P. Koslowski: Gesellschaftliche Koordination (1991), S. 43: „Nutzen-und Kostenbewertungen sind wegen des monadischen Charakters des Individuums notwendigerweise subjektiv. Sie sind nicht nur subjektiv aufgrund von freiem Willen, Vorlieben und Willkür, sondern weil die subjektive Geschichte jedes Individuums einmalig ist […] In den EntScheidungsprozessen der Individuen sind die ex-ante-Bewertungen von Kosten und Erträgen, die die Entscheidungen beeinflussen, für jedes monadische Individuum verschieden, da jedes die Lage von seiner Warte, die durch seine Biographie bestimmt ist, wahrnimmt.“ Subjektivität erscheint so in einer gewissen Weise als „Willkür“, weil sie von außen als biographisches Leben gesehen wird und außerdem an die Wahrnehmung gebunden ist, die par excellence vom Stil der Ver-äußerung gekennzeichnet ist, so daß hier „subjektiv“ eigentlich nur für „beliebige Wahl“ steht, aber nicht für einen ontologischen Charakter.Google Scholar
  14. 14.
    Vgl. etwa P. Koslowski: Gesellschaftliche Koordination (1991) S. 24.Google Scholar
  15. 15.
    Vgl. Die Spur des Anderen. Untersuchungen zur Phänomenologie und Sozialphilosophie, Freiburg/München (Alber) 31992, S. 114 f. Dies bedeutet mehr als ein bloßes Plädoyer für „Individualität“ wie bei N. Macrae: „Für eine Welt individueller Lebensstile“, in: R. Löw u. a. (Hrsg.): Fortschritt ohne Maß? Eine Ortsbestimmung der wissenschaftlich-technischen Zivilisation, München (Piper 1981), S. 213–233.Google Scholar
  16. 16.
    Wenn damit auch eine berechtige Kritik gegenüber der konsensuell-totalitätsanfälligen Habermasschen Theorie des „herrschaftsfreien Diskurses“ vorgebracht ist; vgl. P. Koslowski: Gesellschaftliche Koordination (1991), S. 46–51. Deshalb wird ebd. S. 64 ff., 101 ff. eine „Ethische Ökonomie“ mit der Aufteilung in eine „verstehende Volkswirtschaftslehre“ und eine „normative Theorie der Wirtschaftsethik“ vorgetragen, das heißt eine Untersuchung der Kulturfaktoren als Ursachen des Wirtschaftshandelns und dessen Koordination in formaler und auch materialer Hinsicht (Präferenzbildung). Die Ethik übernimmt dabei insbesondere die Aufgabe einer Vorkoordination, die im Sinne des Kantischen Imperativs zwischen Individualisierung und Verallgemeinerungsfähigkeit der marktorientierten Handlungsmaxime in foro interno vermitteln soll (vgl. S. 101 f., 108 ff.). Damit wird den wahl-subjektiven Präferenzen zur Wahrnehmung von Wertqualitäten und Nutzungsmöglichkeiten wie bei J. M. Buchanan weitgehend Rechnung getragen, auch wenn P. Koslowski zusätzlich eine ontologisch unabhängige Wertqualität mit Max Scheler von der Subjektivität supponiert und vom je „höheren Grad der Öffentlichkeit“ abhängig macht (S. 105). Ethik im marktökonomischen Sinne ist auf diese Weise weitgehend eine psychisch-anthropologische Leistung der Inklusion und Internalisierung (S. 112) — nicht aber der phänomenologisch-genealogischen Rückbindung an das primordial-selbstaffektive Lebensethos, das ich vor und in allem objektivierenden Wertbeurteilen bin.Google Scholar
  17. 17.
    Vgl. Alter. Revue de Phénoménologie, 1 (1993), S. 18 ff.: „Liminaire: Naître et mourir“ zur Kritik dieser meist nicht gesehenen Voraussetzung der Lebensbeschreibung auch in der Phänomenologie. Zur Anwendung auf den „Bewegungsgedanken“ in den Medien vgl. M. Henry: Die Barbarei (1994), S. 298 ff. Für die weitere Medienanalyse auch B. Guggenberger: Sein oder Design, Berlin (Rotbuch) 1987; H. U. Reck: Zugeschriebene Wirklichkeit. Alltagskultur, Design, Kunst, Film und Werbung im Brennpunkt der Medientheorie, Würzburg (Könighausen amp; Neumann) 1994. Im Bereich des interkulturellen Managments heute vgl. W. Fox: „Japanese Management: Tradition under Strain“, Business Horizont, (Aug. 1977); G. Hofstede: „Confucius Connections: from Cultural Roots to Economic Growth“, Organisational Dynamics, (Früjahr 1988); M. Jahrmarkt: Das Tao-Management, Freiburg i. B. (Haufe) 21989.Google Scholar
  18. 18.
    Gesellschaftliche Koordination (1991), S. 37; zur Begründung aus der Leibnizschen Monadenlehre vgl. ebd. S. 24.Google Scholar
  19. 19.
    Ebd. S. 56 ff. Vgl. auch P. Koslowski: Wirtschaft als Kultur (1989), S. 49, als Ergebnis der Wertbetrachung von Natur: „Im Austausch mit der nichtmenschlichen Natur und dem außermenschlichen Leben gewinnen wir das Leben, das wir nur im Austausch überhaupt zu erhalten vermögen, weil wir nicht alles selbst tun können.“ Allerdings wird diese Sichtweise nur auf ökologische Probleme angewandt, anstatt prinzipiell wirtschaftsumfassend berücksichtigt zu werden, sofern dieses „Nicht-alles-tun-können“ dem lebensphänomenologisch angesetzten „Mehr des Lebens“ in allem Tun entsprechen kann. Vgl. auch ebd. S. 92 f. zur Neudefinition der Ressourcenknappheit als „Strukturbegrenztheit“ der lebendigen Ordnungen, die zu gezielten und nicht-irreversiblen Eingriffen nötigen, wobei Koslowski allerdings diese Struktur-und Artenordnung dem Wert des „Heiligen“ (Schöpferidee) nach Max Scheler annähert (bes. S. 44).Google Scholar
  20. 20.
    Vgl. die Auseinandersetzung mit der Historischen Schule (insbesondere Schmoller, Dilthey und Rickert) sowie mit der materialen Wertethik Schelers ebd. S. 64 ff., 82 ff., 103 ff. Dazu auch zuletzt von P. Koslowski: Die Ordnung der Wirtschaft. Studien zur Praktischen Philosophie und Politischen Ökonomie, Tübingen (Mohr) 1994.Google Scholar
  21. 21.
    Vgl. Formale und transzendentale Logik. Versuch einer Kritik der logischen Vernunft (1929), Tübingen (Niemeyer) 1981, S. 139 ff. (§ 58 ff): „Man muß also diese große und so viel mißachtete Selbstverständlichkeit in den Mittelpunkt aller prinzipiellen Besinnungen stellen, daß so etwas wie ein Gegenstand […] den ihm eigentümlichen ontischen Sinn (durch den er dann in allen möglichen Bewußtseinsweisen bedeutet, was er bedeutet) ursprünglich nur schöpft aus den Erlebnisprozessen der Erfahrung, als solchen eben, die in sich charakterisiert sind als Bewußt-haben im Modus „Es-selbst“, als Selbst-Erscheinungen eines Etwas, als uns Selbst-entgegentreten in Seinsgewißheit […] Die Urform ist dabei das Sich-selbst-gegenwärtig-zeigen der Wahrnehmung, oder des Sich-„wieder“-zeigen der Wiedererinncrung im Modus des Vergangen.“ (S. 147).Google Scholar
  22. 22.
    Vgl. L. von Mises: „Soziologie und Geschichte. Epilog zum Methodenstreit in der Nationalökonomie“, Archiv für Sozialwissenschaften und Sozialpolitik, 61 (1929), S. 465–512. Zur weiteren epistemologisch-ökonomischen Diskussion G. L. S. Shackle: Epistemics and Economics. A Critique of Economic Doctrines, Cambridge (University Press) 1972; H. A. Simon: „Rationality as Process and as Product of Thought“, American Economic Review, 68 (1978), S. 1–15, sowie philosophisch-epistemologisch H. Schnädelbach (Hrsg.): Rationalität. Philosophische Beiträge, Frankfurt a. M. (Suhrkamp) 1984.Google Scholar
  23. 23.
    P. Koslowski: Gesellschaftliche Koordination (1991), S. 81.Google Scholar
  24. 24.
    Vgl. G. Scherhorn: Bedürfen und Bedarf, Berlin (Duncker amp; Humblot) 1959; P. Kende: L’abondance est-elle possible? Essai sur les limites de l’économie, Paris (Gallimard) 1971, S. 93 ff.; T. Scitovsky: Psychologie des Wohlstands. Die Bedürfnisse des Menschen und der Bedarf des Verbrauchers, Frankfurt a. M. (Campus) 1977. Die Vorstellung von den unbegrenzt angesehenen Bedürfnissen wurde von den Philosophen, insbesondere von Hegel (vgl. K. Kozu), popularisiert und trifft daher auch nicht den conatus bei Spinoza etwa als die reine passio „zu sein“ (vgl. J. Lacroix: Spinoza et le problème du salut, Paris [P.U.F.] 1970, S. 15 ff.), sondern eher HOBBES’ Aussage: „Felicity is a continual progress of the desire from one object to another.“ (Leviathan, Kap. 11) Über den Zusammenhang von Nichtsättigungsannahme und mechanistischem Weltbild, zwischen Physik und Politischer Ökonomie, vgl. P. Koslowski: Gesellschaftliche Koordination (1991), S. 18 ff., 24 f., wo jedoch der conatus als „Tendenz zur Selbstverwirklichung“ ohne weitere Erklärung mit dem Leibnizschen Monadenbegriff parallelisiert wird. Deshalb wird an anderer Stelle auch die „Sachgerechtigkeit“ der allgemein wirtschaftlichen „Bedarfsdeckung“ in Anspruch genommen, um das Gewinnkriterium „nicht zum End-und Alleinzweck der unternehmerischen Tätigkeit“ werden zu lassen; vgl. Wirtschaft als Kultur (1989), S. 114. Außerdem M. Keyzer: „Conatus, Freedom and the Market“, Studia Spinozana, 8 (1992) (Hrsg. E. BALIBAR U. a.): Spinoza’s Psychology and Social Psychology, Würzburg (Königshausen amp; Neumann) 1994, S. 117–146.Google Scholar
  25. 25.
    Zum Problem der „Generativität von Geburt und Tod als Wesensvorkommnisse für die Weltkonstitution“ einschließlich ökonomisch-kulturellen Bedürfens vgl. auch E. Husserl: Zur Phänomenologie der Intersubjektivität. Texte aus dem Nachlaß, III. Teil: 1929–1935 (Husserliana XV), Den Haag (Nijhoff) 1973, S. 171 ff. u. ö.; Analysen zur passiven Synthesis 1918–1926 (Husserliana XI), Den Haag (Nijhoff) 1966, S. 219 f.: „Geschichte ist ein stufenweises, von einer immanenten Teleologie durchherrschtes Konstituieren immer höherer Sinngebilde […] Geschichte im gewöhnlichen Sinn in ihrer Beziehung auf menschliche Kultur ist nur eine höchste Stufe, und auch diese hat, so zeigt sich, ihr Ansich vorgezeichnet. [Dies führt phänomenologisch] zu einer transzendentalen Kulturwissenschaft als transzendentaler Wissenschaft von möglichen Gemeinschaftsbeziehungen überhaupt.“Google Scholar
  26. 26.
    Ebd. S. 435–347 (Beilage 28) (Hvh. R. K.).Google Scholar

Copyright information

© Physica-Verlag Heidelberg 1996

Authors and Affiliations

  1. 1.Institut für Philosophie derUniversität WienWienGermany

Personalised recommendations