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Das zivilgesellschaftliche Szenario

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Zusammenfassung

Todmüde, aber recht zufrieden kommt Peter W. in den frühen Morgenstunden in seine Wohnung zurück. Die Verhandlungen mit dem Chemiekonzern waren zwar wegen dessen multinationaler Organisationsstruktur ausgesprochen mühsam, haben sich aber letztlich doch gelohnt. Als das multinationale Unternehmen vor einigen Jahren einen „runden Tisch“ einberief — der international besetzt war mit Arbeitnehmervertretern, Repräsentanten von Umweltverbänden und Vertretern von Anwohnern in den verschiedenen Niederlassungen -, um die Unternehmensziele besser mit Betroffenen abzustimmen, da hätte es sich die Folgen wahrscheinlich nicht träumen lassen. Ursprünglich war das Ganze als reine PR-Veranstaltung gedacht, um potentielle Protestler gegen Unternehmensentscheidungen rechtzeitig abzufangen und ruhigzustellen — und die verschiedenen Interessengruppen gegeneinander auszuspielen; diese Möglichkeit sah die Firma vor allem aufgrund der internationalen Zusammensetzung gegeben: das Hemd der eigenen Gruppe und der eigenen Region, so dachten die Unternehmensvertreter, wäre den einzelnen Interessengruppenvertretern sicher näher als irgendwelche übergeordneten Prinzipien und Ziele. Aber die Firma hatte nicht damit gerechnet, wie gut inzwischen die Vernetzung war — sowohl international als auch zwischen den verschiedenen Gruppen. Die Firmenvertreter trafen relativ schnell auf eine Front, die sich nicht so ohne weiteres spalten ließ; schlechtere Produktionsbedingungen in einzelnen Ländern, Verringerung der Umweltstandards, Schließung von Produktionsanlagen — das alles erwies sich für die Firma als weit schwerer durchsetzbar als zunächst gedacht, bisweilen war es sogar unmöglich, oder es mußten in harten Verhandlungen Kompromisse ausgefochten werden. Die Interessengruppen hatten sich entsprechende Experten als Vertreter an den runden Tisch geholt — so unter anderem auch Peter, der als Chemiker mit betriebswirtschaftlicher und informationstechnischer Zusatzausbildung sowohl die Gefährlichkeit von Verfahren und Produktionsprozessen als auch die Plausibilität unternehmensstrategischer Überlegungen abzuschätzen vermag. Die Firma selbst kann inzwischen keinen Rückzieher mehr machen und den „runden Tisch“wieder abblasen — die geballte Medienmacht der international operierenden Organisationen, die jetzt das Unternehmensgeschehen mitbestimmen, würde sie treffen. So muß das Unternehmen einmal mehr mit einem Kompromiß leben: das ursprünglich geplante umweltschädliche Produktionsverfahren wird neu überdacht, für die von einer Standortschließung betroffenen Mitarbeiter werden andere Einsatzmöglichkeiten gesucht.

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Copyright information

© Springer-Verlag Berlin Heidelberg 1999

Authors and Affiliations

  1. 1.Institut für Ökologie und Unternehmensführung e.V. an der European Business SchoolOestrich-WinkelGermany

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