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Die Finanzwirtschaft des Deutschen Reichs und die Beziehungen zwischen Reich und Gliedstaaten

  • Eckart Schremmer
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Part of the Enzyklopädie der Rechts- und Staatswissenschaft book series (ENZYKLOPÄDIE)

Zusammenfassung

Kaiser Franz IL aus dem Hause Habsburg legte am 6. August 1806 die Kaiserkrone nieder. Das Heilige Römische Reich Deutscher Nation bestand nicht mehr. Der Wiener Kongreß führte 1815 zu einer Umgestaltung des vormaligen Reichs in den Deutschen Bund, einen Fürstenbund aus 35 nahezu souveränen Bundesstaaten (Monarchien) und vier Reichsstädten. Die geringfügigen Aufgaben des Deutschen Bundes als schwacher Zentralinstanz machten eine entwickelte Finanzwirtschaft des Bundes nicht notwendig. Die Bundesstaaten bildeten jeweils eigene Steuerverfassungen aus. Die einzelstaatlichen Parlamente erhielten das ausschließliche Steuerbewilligungsrecht, das öffentliche Haushaltswesen wurde formalisiert. Der Zollverein von 1833/34 und der Norddeutsche Bund von 1866 waren dann die Vorstufen zur Gründung des Deutschen Reichs 1871 — und gleichzeitig die Stufen einer Bundes- und schließlich Reichsfinanzwirtschaft.1 Der territoriale Konzentrationsprozeß hatte sich nach 1866 fortgesetzt. Das Reich von 1871 umfaßte noch 26 Gliedstaaten einschließlich Elsaß-Lothringen.

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Literatur

  1. 1.
    Ausführlich über die Finanzwirtschaft des Norddeutschen Bundes und des Deutschen Reichs, W. Gerloff, Finanz-und Zollpolitik, 1913; S. Cohn, Finanzen des Deutschen Reichs, 1899; K. Th. v. Eheberg, Reichsfinanzen, 1908; F. W. R. Zimmermann, Finanzwirtschaft des Deutschen Reichs, 1916; P.-C. Witt, Finanzpolitik, 1970, mit ausführlichem Quellen-und Literaturverzeichnis.Google Scholar
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  11. 11.
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  12. 12.
    Die Begriffe brutto und netto sind mehrfach unscharf. Obwohl der Etat des Reichs „brutto“ ausgewiesen ist, sind bei den Betriebsverwaltungen nur die Überschüsse eingestellt; vgl. S. Cohn, Finanzen des Deutschen Reichs, 1899, S. 160 ff; über die im Reichsetat nicht berücksichtigten Erhebungskosten der Reichssteuern und Zölle s. S. 101 ff.Google Scholar
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  15. 15.
    Die drei Aufgaben der Marine, schon 1867 formuliert, bei W. Gerloff, Finanz-und Zollpolitik, 1913, S. 80 f.Google Scholar
  16. 16.
    So W. Gerloff, Staatshaushalt, 1929, S. 22; im Etat waren 1907 für Heer und Marine 1112 Mio Mark ausgewiesen. Eine eindeutige Trennung von Militär-und Zivilausgaben ist kaum möglich; P.-C. Witt, Finanzpolitik, 1970, S. 380 f, errechnet für 1907 Militärausgaben in Höhe von 1631 Mio Mark; in diesem Betrag sind u.a. enthalten: Militärpensionen, Invalidenversorgung durch den Reichsinvalidenfonds, Teilsummen des Schuldendienstes, Teilkosten für Erweiterungen des Nord-Ostsee-Kanals und für strategische Eisenbahnen; die Zurechnungsproblematik wird deutlich.Google Scholar
  17. 17.
    Zu den Betriebsverwaltungen und dem Reichsvermögen S. Cohn, Finanzen des Deutschen Reichs, 1899, S. 104 ff.Google Scholar
  18. 18.
    Die Entwicklung der Reichsämter und Verwaltungen, der Beamten, Militärs und die Gehalts-Tarife bei S. Cohn, Finanzen des Deutschen Reichs, 1899, S. 6 ff.Google Scholar
  19. 19.
    Ordentliche Einnahmen netto; zum Begriff netto vgl. W. Gerloff, Staatshaushalt, 1926, S. 26, Erläuterungen; Struktur der Steuereinnahmen von Reich und Gliedstaaten für 1914 im Vergleich bei O. Schwarz, Finanzpolitik, 1919, S. 105; W. Gerloff, Steuerliche Bela stung, 1916, S. 6 ff.Google Scholar
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    Umfassend K. Wiesinger, Zölle und Steuern, 1912, einschließlich der Zoll-und Handelsverträge des Reichs mit ausländischen Staaten, S. 393 ff; Denkschriftenband, 1908, S. 56 ff, auch mit Angaben zur Zoll-Belastung wichtiger Waren; Kasuistik der Agrar-, Industrie-und Finanzzölle bei W. Gerloff, Staatshaushalt, 1926, S. 28, Er läuterungen.Google Scholar
  21. 21.
    1913 wurde eine einmalige Vermögens teuer, ein Wehrbeitrag, zugunsten des Reichs erhoben und mit je einem Drittel (315 Mio Mark) den Etats 1913 bis 1915 zugerechnet; F. Terhalle, Finanzwissenschaft, 1930, S. 342.Google Scholar
  22. 22.
    Kasuistische Abgrenzung von direkten und indirekten Steuern bei W. Gerloff, Steuerliche Belastung, 1916, S. 15 Anm. 1.Google Scholar
  23. 23.
    Die Nachfrage wurde durch das Ertragskriterium „Standort“ wenigstens andeutungs weise berücksichtigt.Google Scholar
  24. 24.
    Einzelheiten am Beispiel der württembergischen Ertragsteuern bei E. Schremmer, Zusammenhänge, 1974, S. 679 ff. Die Steuergesetze prämierten auch eine Substitution von Arbeit durch Kapital; das war eine steuerliche Förderung der Einführung von an Maschinen gekoppeltem technischen Fortschritt.Google Scholar
  25. 25.
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    Darstellung der Steuersysteme der 26 Gliedstaaten mit Zeitreihen zu den Etats im Denkschriftenband, 1908, S. 153 ff; verkürzte Übersicht bei F.W. Zimmermann, Finanz wirtschaft, 1916, S. 222 ff.Google Scholar
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    Die neue Reichsverfassung von 1919, daran anschließend die Finanzreform von Erzberger 1919/20 und von Popitz 1925.Google Scholar

Copyright information

© Springer-Verlag Berlin Heidelberg 1994

Authors and Affiliations

  • Eckart Schremmer
    • 1
  1. 1.Institut für Sozial- und WirtschaftsgeschichteUniversität HeidelbergHeidelberg

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