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Haare pp 11-26 | Cite as

Haare und Psyche

  • R. Bergler

Zusammenfassung

Jede Begegnung mit Fremden und Unbekannten beginnt mit einem Prozess wechselseitiger Beeindruckung auf Basis nonverbaler Zeichen. In Bruchteilen von Sekunden kommt es, ohne dass ein Wort gewechselt wird, zu einer gefühlsmäßigen Bewertung nach Sympathie bzw. Antipathie und daran anschließend zu einer Zuordnung von Merkmalen (Charaktereigenschaften). Der andere ist nicht mehr fremd, anonym, sondern bewertet und damit im naiven Selbstverständnis „bekannt“. Aus einem Minimum an tatsächlicher Information, z.B. ungepflegten Haaren, erfolgt ein Maximum von Schlussfolgerungen; viele nicht direkt beobachtbare Merkmale werden mit hoher subjektiver Sicherheit (Plausibilität) zugeordnet. Nonverbale Zeichen transportieren eine Vielzahl von Wertungen, Gefühlen, Phantasien und auch Informationen; die Frage nach der objektiven Richtigkeit wird im Regelfall nicht gestellt. Nonverbale Kommunikation funktioniert immer unmittelbar, direkt, kurzfristig, sicher, ohne Zweifel, eindeutig in der Zuordnung von Sympathie und Antipathie, unkritisch aber subjektiv plausibel. Das Spezifische an ersten Eindrücken ist:
  • ■ Eigenständigkeit, Abhebung von anderen Eindrücken;

  • ■ Nachhaltigkeit und Prägnanz der Gedächtniswirkung;

  • ■ Überzeugtheit von der subjektiven Richtigkeit der Diagnose mit anschließender Bestätigungstendenz;

  • ■ Stabilisierungsfunktion eines durch Fremdheit und Anonymität gestörten psychischen Gleichgewichts, d.h. Gewinnung von Selbstsicherheit und Handlungsfähigkeit.

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Copyright information

© Springer-Verlag Berlin Heidelberg 2003

Authors and Affiliations

  • R. Bergler

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