Sensitivität und Spezifität des intraoperativen Neuromonitorings in der Schilddrüsenchirurgie - Nationale multrizentrische prospektive Studie mit 8715 Patienten

  • O. Thomusch
  • C. Sekulla
  • H. Dralle
Conference paper
Part of the Deutsche Gesellschaft für Chirurgie book series (DTGESCHIR, volume 2002)

Zusammenfassung

Zielsetzung: Das intraoperative Neuromonitoring ist als Hilfe zur Identifizierung des N. laryngeus recurrens in der Schilddrüsenchirurgie anerkannt. Aussagen zur Spezifität und Sensitivität dieser Methode für falsch positive und falsch negative Signale in Bezug auf den postoperativen HNO-Befund sind nicht bekannt. Material und Methoden: Nationale prospektive multizentrische Studie vom 01.08.1999-31.12.2000 mit 33 Krankenhäusern aller Versorgungsstufen. Die Neurostimulation erfolgte direkt (N. laryngeus recurrens) und/oder indirekt (N. vagus) bei translaryngealer Ableitung mittels Stichelektrode in den M. vocalis. Alle Patienten wurden durch einen HNO-Arzt nachuntersucht. Eine permanente Rekurrensparese wurde definiert als länger als 6 Monate postoperativ persistierende Stimmbandparese. Ergebnisse: Insgesamt wurden 8715 konsekutive Schilddrüsenoperationen mit intraoperativen Neuromonitoring analysiert (Nachsorgerate z.Zt. 95,4%). Das Indikationsspektrum teilte sich auf in: Ersteingriffe benigne Struma (n = 7532), Struma maligna (n = 674), benigne Rezidivstruma (n = 503) und maligne Rezidivstruma (n = 115). Das intraoperative Neuromonitoring hatte bei präoperativ bekannter Rekurrensparese eine Spezifität (richtig negatives Signal) von 38,3% (indirekt) bzw. 35,9% (direkt). Die Sensitivität (richtig positives Signal bei postoperativ intaktem N. recurrens) betrug präoperativ 96,6% (indirekt) bzw. 95,3% (direkt). Bei postoperativ bestätigter permanenter Rekurrensparese durch einen HNO-Arzt betrug die Spezifität 54,4% (indirekt) bzw. 48,6% (direkt). Die Sensitivität 97,8% (indirekt) bzw. 97,1% (direkt). Zusammenfassungg: Ein positives intraoperatives Signal des Neuromonitorings bestätigt mit hoher Wahrscheinlichkeit (95,3%-97,8%) einen unversehrten N. recurrens. Demgegenüber korreliert ein negatives intraoperativen Signal des Neuromonitorings nur zu 35,9% - 54,4% mit der HNO-ärztlichen Diagnose einer Rekurrensparese. Für den Operateur bedeutet dies, dass im Falle eines positives Signals mit geringem Risiko für eine bilaterale Rekurrensparese auf der kontralateralen Seite die Operation fortgesetzt werden kann, bzw. bei fehlendem Signal eine kontralateral ausgedehnte Resektion besser zweizeitig durchgeführt wird. Der postoperative HNO-Befund zur Bestimmung der postoperativen Stimmbandfunktion und als Qualitätskontrolle des Chirurgen weiterhin unverzichtbar.

Copyright information

© Springer-Verlag Berlin Heidelberg 2002

Authors and Affiliations

  • O. Thomusch
    • 1
  • C. Sekulla
    • 2
  • H. Dralle
    • 2
  1. 1.Abteilung Allgemein- und Viszeralchirurgie mit PoliklinikChirurgische UniversitätsklinikFreiburgGermany
  2. 2.Klinik für Gefäß-, Viszeral- und Allgemeinchirurgie, Medizinische Fakultät, Klinikum KröllwitzUniversität Halle-WittenbergHalleGermany

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