Advertisement

Medizinethische Grundlagen

  • Jochen Vollmann
Part of the Monographien aus dem Gesamtgebiete der Psychiatrie book series (PSYCHIATRIE, volume 96)

Zusammenfassung

Wegen der uneinheitlichen, teilweise widersprüchlichen Terminologie bei der wissenschaftlichen Untersuchung ethischer Probleme in der Medizin ist eine Begriffsbestimmung erforderlich. Sie wird dadurch erschwert, daß die Begriffe aus verschiedenen Sprachräumen stammen und dort unterschiedlich gebraucht werden. Einschlägige Nachschlagewerke der deutschsprachigen Philosophie tragen zur Klärung wenig bei. Im Historischen Wörterbuch der Philosophie findet sich ein umfassender Beitrag zum Stichwort „Ethik“ (Romberg und Pieper 1972), in dem aber nicht auf die Medizinethik eingegangen wird. Spezielle Handbuchbeiträge zur „Medizinischen Ethik“ oder „Bioethik“ finden sich dort nicht. Dagegen widmet sich die amerikanische Encyclopedia of Bioethics bereits in der zweiten Auflage (Reich 1995) und das neue deutschsprachige Lexikon der Bioethik (Korff et al. 1998) ausschließlich medizin- und bioethischen Fragen. Die „Berufsethik“ oder „ärztliche Ethik“ stellt nach Höffe Teilgebiete einer „Medizinischen Ethik“ dar, die wiederum allgemeinen ethischen Regeln unterworfen sind, also keine Sonderethik darstellt, sondern die allgemeinen sittlichen Prinzipien „auf die besondere Berufssituation des Arztes“ anwendet. Dabei wird auf den „Eid des Hippokrates“ und auf das „Genfer Ärztegelöbnis“ des Weltärztebundes von 1948 Bezug genommen (Höffe 1980b S. 156–159). An anderer Stelle erweitert Höffe die beiden Grundprinzipien der hippokratischen Tradition, nämlich die professionelle Pflicht zur Hilfe Notleidender, wobei das Wohlergehen des Kranken oberstes Gebot ist („salus aegroti suprema lex“) und den Grundsatz durch ärztliches Tun nicht zu schaden („nil nocere“) um das Grundrecht auf Selbstbestimmung (Autonomie des Patienten) und das Gebot der Gerechtigkeit und der unantastbaren Menschenwürde (Höffe 1987). Dabei beurteilt er den Umgang mit ethischen Fragen innerhalb der Medizin kritisch: „Solange die Medizin ihre sittlichen Grundsätze wie selbstverständlich anerkennt und bei ihrer Anwendung nur medizinischen, nicht ethischen Problemen gegenübersteht, ist die medizinische Ethik weitgehend in den Regeln der ärztlichen Kunst als deren Zweckrichtung enthalten und wird nur aus Anlaß standespolitischer Selbstverständigung, etwa bei Festreden, aktuell. Beide Voraussetzungen sind aber nicht mehr gegeben. Gerade in unserem Jahrhundert ist medizinisches Wissen in hohem Maß mißbraucht worden [...] Darüber hinaus hat die medizinische Forschung Möglichkeiten der Diagnose und Therapie eröffnet, die vor allem in bezug auf den Beginn und das Ende menschlichen Lebens die überlieferten Grundsätze der medizinischen Ethik nicht als falsch, jedoch als zu allgemein erscheinen lassen und spezifischere Verbindlichkeiten notwendig machen.“ In diesem Zusammenhang wird auf einen neuen interdisziplinären Forschungszweig in den USA hingewiesen, der als „neue Diskussion der medizinischen Ethik (allgemeiner: Bioethik)“ bezeichnet wird (Höffe 1987).

Preview

Unable to display preview. Download preview PDF.

Unable to display preview. Download preview PDF.

Copyright information

© Dr. Dietrich Steinkopff Verlag, GmbH & Co. KG Darmstadt 2000

Authors and Affiliations

  • Jochen Vollmann
    • 1
  1. 1.Arzt für Psychiatrie und Psychotherapie, Arbeitsgruppe MedizinethikInstitut für Geschichte der Medizin FU BerlinBerlinDeutschland

Personalised recommendations