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Historische Einführung

  • P. H. Rossier
  • A. Bühlmann
  • K. Wiesinger

Zusammenfassung

Die Pathophysiologie der Atmung fand nur langsam und mit Mühe Eingang in das ärztliche Denken. Sie ist für den „klinisch“ denkenden Arzt mit einer schweren Hypothek belastet, nämlich mit Abstraktion und Mathematik, sie irritiert diejenigen, denen nur das Konkrete und Palpable etwas sagt. Wenn der Physiologe von Alveolen spricht, so verbindet er mit demselben Wort nicht das gleiche wie der Anatom, er denkt weniger an eine bestimmte histologische Struktur, sondern an den Ort des Gasaustausches. Der respiratorische Totraum ist für ihn nicht einfach das Volumen der Atemwege, sondern er stellt einen rein funktionellen Begriff dar, dessen Volumen allerdings in engen Beziehungen zu dem der Luftwege steht. Die alveoläre Ventilation ist für den Pathophysiologen nicht einfach die Belüftung bestimmter Lungenteile im anatomischen Sinne, sondern eine mathematische Abstraktion, die sich aus einem ausgeschiedenen Gasvolumen und einer Änderung der Gaskonzentration während der Ausscheidung ergibt. Der anscheinend rein anatomische Begriff der Alveolarmembran enthält für den Physiologen einen dynamischen Faktor, nämlich die Kontaktzeit des durch die Alveolarcapillaren fließenden Blutes mit der Alveolarluft. Will sich der Arzt mit der Pathophysiologie der Atmung — das gleiche gilt übrigens auch für den Kreislauf — beschäftigen, so muß er sich ein mathematisches Denken aneignen, das während seiner klinischen Ausbildung gar nicht geschult wurde. Unser heutiges ärztliches Denken wird immer noch von der Morphologie dominiert, obwohl bereits Virchow eine pathologische Physiologie bei der Entwicklung der Cellularpathologie berücksichtigte, was aber unter dem Eindruck der großen Erfolge der pathologischen Anatomie zu wenig beachtet wurde. Trotz der großen Vorläufer einer funktionellen Medizin wie Claude Bernard, Krehl, v. Müller u. a. haben wir Schwierigkeiten, uns von der alten Denkweise zu lösen und frei von fixen anatomischen Vorstellungen zu diskutieren.

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Copyright information

© Springer-Verlag Berlin Heidelberg 1956

Authors and Affiliations

  • P. H. Rossier
    • 1
  • A. Bühlmann
    • 1
  • K. Wiesinger
  1. 1.ZürichSchweiz

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