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Macht und Machtfaktoren der Öffentlichen Meinung

  • Ferdinand Tönnies

Zusammenfassung

(Neuerungen.) Es ist eine Tatsache, der alle bedeutenden Geschichtsschreiber ihre Anerkennung zollen, daß die Öffentliche Meinung, wie sie von ihnen in Übereinstimmung mit der gegenwärtigen Theorie verstanden wird, bei allen großen Veränderungen in Kirche und Staat, in der Gesetzgebung, Justiz und Verwaltung, von denen die neueren Jahrhunderte erfüllt sind, eine bedeutsame Rolle gespielt, ihre Macht zur Geltung gebracht habe. Dies ergibt sich schon aus dem, was über die Aggregatzustände der Öffentlichen Meinung ausgesprochen wurde. In ihren wichtigsten Ansprüchen und Leistungen kann eben die Öffentliche Meinung schlechthin als der moderne Geist, der subjektive »Geist der Neuzeit«, begriffen werden, der zumeist allmählich, zuweilen stoßweise und plötzlich, sich entwickelt und immer stärker, immer erfolgreicher an der Vernichtung und Untergrabung überlieferter Anschauungen wie hergebrachter Institutionen arbeitet. Merkwürdig ist dabei vor allem, daß die Öffentliche Meinung des Tages keineswegs im allgemeinen Neuerungen geneigt ist, viel eher stemmt sie sich dagegen und besteht darauf, daß das Hergebrachte wertvoll und richtig, oder doch im gegebenen Falle zweckmäßig sei, und jedenfalls einen guten Sinn habe. So sind alle die großen Veränderungen der Ansichten, des Rechts, der Staatsverfassungen zunächst von Wenigen befürwortet worden oder von Schichten, die nicht als die maßgebenden unmittelbar an der Gestaltung der —ffentüchen Meinung beteiligt waren.

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© Julius Springer in Berlin 1922

Authors and Affiliations

  • Ferdinand Tönnies

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