Über Analogien in den Immunitätsverhältnissen zwischen der experimentellen Syphilis und der experimentellen Taubenpocke

  • Conrad Siebert

Zusammenfassung

Durch die experimentellen Studien der Syphilis sind wir genötigt worden, an unseren bisherigen Anschauungen über die Immunitätsverhältnisse bei der Syphilis eine durchgreifende Revision vorzunehmen und dieselben nach mancher Richtung hin zu ändern. Es gelang Neisser unter anderem nachzuweisen, daß infizierte Affen, die im Laufe von etwa drei Jahren wiederholten Reinokulationen gegenüber sich refraktär verhalten hatten, schließlich bei der Verimpfung ihrer inneren Organe sich doch noch als infektiös erwiesen. Die Tiere hatten während dieses mehrjährigen Krankheitsverlaufes keinerlei Symptome gezeigt und während der ganzen Zeit den Eindruck durchaus gesunder Tiere gemacht. Die Affen waren also nicht im eigentlichen Sinne „immun“, womit man bis dahin auch bei der Syphilis den Zustand der Unempfänglichkeit neu zugeführtem Virus gegenüber bezeichnet hatte, sondern sie waren krank geblieben; nur hatte die Haut die Eigenschaft verloren, auf neu inokuliertes Virus in der sonst eigenen Art zu reagieren. Der Beweis dafür, daß dieses scheinbare immune Verhalten in der Anwesenheit der Spirochäten in dem Tierkörper lag, wurde durch die therapeutischen Versuche erbracht; denn nach einer wirklichen Heilung syphilitischer Affen durch Quecksilber oder Arsen reagierten die Augenbrauen der Affen in der gleichen Weise auf eine Wiederimpfung mit einem Primäraffekt, wie bei einer erstmaligen Impfung. Die sogenannte Immunität bei Syphilistieren gegenüber Neuimpfungen coindiziert also immer mit der Anwesenheit von lebenden Parasiten im Organismus.

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Copyright information

© Springer-Verlag Berlin Heidelberg 1911

Authors and Affiliations

  • Conrad Siebert
    • 1
  1. 1.CharlottenburgDeutschland

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