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Karl Löwiths Philosophischer Weg

  • Manfred Riedel
Conference paper
Part of the Heidelberger Jahrbücher book series (HJB, volume 14)

Zusammenfassung

Der Heidelberger Philosoph Karl Löwith hat seinen im Jahre 1967 erschienenen Untersuchungen zur neuzeitlichen Metaphysik von Descartes bis Nietzsche 1) ein ebenso hintersinniges wie vieldeutiges Motto vorangesetzt, das auch dann der Erklärung bedurft hätte, wenn Löwith nicht selbst den Leser dazu aufforderte. Es ist „Wilhelm Meisters Wander jähren“ (3. Buch, 18. Kap.) entnommen und lautet: „Es wäre nicht der Mühe wert, siebzig Jahre alt zu werden, wenn alle Weisheit der Welt Torheit wäre vor Gott.“ Der Hintersinn des Goetheschen Spruches besteht, kurz gesagt, darin, daß er den jeweiligen Sinn einer alt- (Ps 90,10) und neutestamentlichen Stelle (l.Kor 1,20) ineinander spiegelt und dadurch beide verkehrt: Nach Ps 90,10 währt unser Leben siebzig Jahre und ist als solches Mühe und Arbeit, nach l.Kor 1,20 be¬deutet alle Weisheit der Welt Torheit vor Gott. Was Löwith an dem Spruch angezogen haben mag, dürfte der „weltliche“ Hintersinn sein, den die „spekulative“ Verkehrung des biblischen Sinnes ergibt, vielleicht aber auch die perspektivische Spiegelung dieser Topoi selbst. Doch das Motto spielt nicht nur auf einen für Löwith verbindlichen „Weltbegriff“ von Philosophie, sondern auf den Autor an, der darin, in der Form eines Bekenntnisses, das Fazit seines Lebenswerkes zu ziehen scheint. Daß Karl Löwith, der in seinen Vorlesungen und Schriften stets die Maxime befolgt, von sich zu schweigen, anläßlich der Veröffentlichung des genannten Werkes — freilich verhüllt genug und dem Nichtkundigen gänzlich verborgen — von sich selber redet, wird alle diejenigen überraschen, die ihn als Schüler und Freunde kennen.

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Notes

  1. 1).
    Gott, Mensch und Welt in der Metaphysik von Descartes bis zu Nietzsche, Göttingen 1967.Google Scholar
  2. 5).
    Vgl. Der okkasionelle Dezisionismus von Carl Schmitt. Erschienen in: Internationale Zeitschrift für Theorie des Rechts, 1935, Heft 2 (unter dem Pseudonym H. Fiala). Der Aufsatz, der zusammen mit Leo Strauss Anmerkungen zu Carl Schmitts Begriff des Politischen (1932) gelesen und zu den brillantesten kritischen Pamphleten der dreißiger Jahre gerechnet werden muß, ist wiederabgedruckt in: Gesammelte Vorträge und Abhandlungen, Bd. 1. Stuttgart 1960, S. 93 ff.Google Scholar
  3. 8).
    Heidegger: Denker in dürftiger Zeit. 2. Aufl., Göttingen 1960, S. 50. Über Löwiths „philosophischen Barthianismus“vgl. die zutreffenden Beobachtungen von H. TIMM, Karl Löwith und die protestantische Theologie. In: Evangelische Theologie. Nov. 1967, S. 586 ff.Google Scholar
  4. 13).
    Vgl. dazu J. Habermas, Karl Löwiths stoischer Rückzug vom historischen Bewußtsein. In: Merkur, Jg. XVII, 6, 576 f. (1963).Google Scholar

Copyright information

© Springer-Verlag Berlin · Heidelberg 1970

Authors and Affiliations

  • Manfred Riedel

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