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Warum sind Freitage besser als Sonntage?

Der Wert der Vorfreude und der Preis der Furcht
  • Tali SharotEmail author
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Zusammenfassung

Genau 119,5 Sekunden. So viel Zeit braucht es, um ein perfektes Pint Guinness zu zapfen und zu servieren. Das Glas wird in einem exakten 45-Grad-Winkel unter den Zapfhahn gehalten. Dann folgt der berühmte Zapfvorgang in zwei Schritten (englisch double pour ): Das Glas wird zu drei Vierteln gefüllt und dann abgestellt, damit sich das Bier absetzt. Wenn die Blasen aufgestiegen sind und den cremigen Schaum gebildet haben, wird das Glas sachte ganz aufgefüllt. Das double-pour-Ritual stammt aus der Zeit, als das dunkle irische Bier direkt vom Fass serviert wurde. Der Wirt stellte Gläser bereit, die zu drei Vierteln mit älterem Bier gefüllt waren, und ließ sie stehen. Bestellte ein Gast ein Pint, füllte er ein Glas mit frischerem, jüngerem Bier auf, das die schaumige Krone entstehen ließ. Heutzutage ist ein Pint Guinness zwar keine Mixtur aus älterem und frischem Bier mehr, doch die Tradition des double pour besteht bis heute, ja sie ist sogar vorgeschrieben. Guinness hat ein perfect-pint-Trainingsprogramm eingerichtet, das sicherstellen soll, dass Guinness überall auf der Welt mit der double-pour-Technik gezapft wird und so die perfekte, cremige Schaumkrone von gut einem Zentimeter Höhe entsteht. Hat sich diese Zapftechnik bis heute nur erhalten, weil sie eine nicht zu hohe Schaumkrone erzeugt? Keineswegs. Der sorgfältige, 119,5 Sekunden dauernde Zapfvorgang erzeugt etwas noch viel Wichtigeres. Er erzeugt das, was manche für den wichtigsten Aspekt des Guinness-Genusses halten: Vorfreude.

Copyright information

© Springer-Verlag Berlin Heidelberg 2014

Authors and Affiliations

  1. 1.Division of Psychology and Language SciencesUniversity College LondonLondonUK

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