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Stolz/Hochmut

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Abstract

»Der Ursprung aller Sünden ist der Stolz«, schrieb Augustinus (Kirchenväter 1, 1963, S. 498). Aber warum? Weil der Stolze tue, was er wolle und sich nicht dem Willen Gottes beuge. Gregor der Große zählte »Stolz« – lateinisch: »superbia« – nicht zu den Sieben Todsünden, sondern nahm an, dass er diese geradezu gebäre (Baasten 1986). Ein stolzer Mensch gerate jäher in Zorn, wenn er realisiere, etwas nicht zu erhalten; er neige leichter zum Neid und meine es nicht nötig zu haben, sich zu engagieren (speziell spirituell: Trägheit). Auch nehme er sich rücksichtsloser das Recht heraus, habgierig zu sein, der Völlerei und Wollust zu frönen. Stolz sei die Sünde Satans gewesen, der als (noch) Engel seinen Thron über denjenigen Gottes stellen wollte (Jes 14,13). Fundamentalistische Christen sehen dies bis heute so. Die »Kinder des Stolzes«, ein »Grundübel« des Menschen: »Ehrgeiz, Eitelkeit, Spott, Neid, Ungeduld, Gleichgültigkeit, Schadenfreude« (Mühlhaus 2004). Entsprechend massiv sind gemäß Dante (2007, S. 189) die im ersten Felsenring des Fegefeuers vorgesehenen Strafen für die Stolzen: Auf ihr hochmütiges Genick werden schwere Steine geschultert, sodass der Oberkörper bis zu den Knien hinuntergedrückt ist und sie permanent auf den Boden und in den Staub blicken müssen, um zu erkennen, »dass wir nichts sind als Würmer« (ebd., S. 187). Ein Bild mit psychologischem Tiefgang: Narzissten können dermaßen auf sich selbst fixiert werden, dass sie niemanden und nichts anderes mehr sehen können.

Copyright information

© Springer-Verlag Berlin Heidelberg 2012

Authors and Affiliations

  1. 1.SalzburgÖsterreich

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