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Umrisse einer Medizin des 20. und frühen 21. Jahrhunderts

Part of the Springer-Lehrbuch book series (SLB)

Auszug

Bestimmend für die erfolgsgewohnte Medizin des frühen 20. Jahrhunderts war die Allmacht ihres naturwissenschaftlichen Habitus, der zugleich ihre tiefsten Krisen generieren sollte. Die therapeutisch orientierte Bakteriologie, aber auch die physikalisch-chemischen Methoden der medizinischen Forschung, Diagnostik undTherapie drängten den Menschen immer mehr in die Rolle des heilkundlichen Objekts. Besonders in den großen politischen Krisenzeiten des durch Weltkriege und Diktatur bestimmten Jahrhunderts haben Ärzte dem Reiz des rücksichtslosen Humanexperiments nicht immer widerstehen können. Es entstand jedoch vor diesem Hintergrund auch eine neue Ethik der Medizin, der aufgeklärte und autonom entscheidende Patient wurde als Gegenbild einer paternalistischen Medizin entworfen. Zur entscheidenden Richtschnur ärztlichen Handelns ist die Sorge um das körperliche und seelische Wohl des Menschen geworden, in Würde, Autonomie und ausschließlich um seiner selbst willen im Mittelpunkt von vor- und fürsorgender, heilender, wo Heilung nicht mehr möglich ist, von palliativ-umsorgender und schließlich auch forschender ärztlicher Kunst zu stehen. Die Heilkunde ist am Beginn des 21. Jahrhunderts als verlässliche Disziplin nahezu ausschließlich naturwissenschaftlich begründet, sie kann zahllose Krankheiten sicher vorhersehen, erkennen und heilen, Organe und Gliedmaßen ersetzen; sie hat ihre moralische Gefährdung erkannt, aber auch ihre moralische Verpfichtung; sie steht indes auch und weiterhin in der wachsenden Gefahr, aufgrund ihrer komplexer und spezifischer zugleich gewordenn Kenntnisse und Fähigkeiten den ganzen Menschen aus den Augen zu verlieren.

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© Springer Medizin Verlag Heidelberg 2009

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