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Mikropolitik – Pluralismus mit harten Bandagen?

  • Josef Schmid

Zusammenfassung

Der Begriff der Mikropolitik ist in der Politikwissenschaft eher randständig geblieben; das liegt möglicherweise daran, dass damit Phänomene wie Bluff, Don-Corleone-Prinzip, Filz, Korruption, Patronage, Seilschaft oder Wegloben verbunden werden. Diese und andere Stichworte sind zwar im „Wörterbuch zur Mikropolitik“ (Heinrich/ Schulz zur Wiesch 1998) enthalten, aber sie sind theoretisch zumeist nicht ausreichend abgeleitet und empirisch nur schwer greifbar. Horst Bosetzky hat 1972 den Begriff in Deutschland geprägt und damit auf die Bedeutung der Verfolgung eigener, persönlicher Ziele in Organisationen und der Politik hingewiesen. Dazu zählen der Aufstieg in der Organisation, eine bessere Bezahlung und der Erwerb von Statussymbolen, aber auch die Erweiterung eigener Handlungsspielräume sowie Versuche, sich bzw. die eigene Leistung einer Kontrolle zu entziehen (vgl. Bosetzky 1978).

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Copyright information

© VS Verlag für Sozialwissenschaften | Springer Fachmedien Wiesbaden GmbH 2011

Authors and Affiliations

  • Josef Schmid
    • 1
  1. 1.Politikwissenschaft und Dekan der Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen FakultätUniversität TübigenTübigen

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