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Sprachlich-kulturelle Differenz als Ideologiekonstrukt

Ein Neufassungsversuch des Konzepts der institutionellen Diskriminierung
  • Krassimir Stojanov

Zusammenfassung

Einer der größten wissenschaftlichen Verdienste von Frank-Olaf Radtke ist, dass er eine differenzierte und fundierte gesellschaftstheoretische Perspektive zum Themenbereich „Bildung und Migration“ entwickelt, die in erster Linie in seinem Begriff der institutionellen Diskriminierung fundiert ist. Diese Perspektive ist im Rahmen der so genannten „Interkulturellen Pädagogik“, die im deutschen Sprachraum meistens als für diesen Themenbereich maßgeblich zuständig betrachtet wird, selten vertreten. Vielmehr ist dieses pädagogische Spezialgebiet fast ausschließlich fokussiert auf die Formulierung von „praxisanleitenden“ Maßnahmen für die bessere schulische „Integration“ von Kindern und Jugendlichen „mit Migrationshintergrund“ (z. B. Sprachförderungsmaßnahmen), oder für die schulische Anerkennung von „kultureller Differenz“. Radtke hat als einer der ersten deutschen Wissenschaftler erkannt, dass dieser Ansatz für das Verständnis der Bildungslage von Kindern und Jugendlichen aus Migrantenfamilien wissenschaftlich unzulänglich ist, und dass er in politischer Hinsicht oft selbst – wenn auch unbeabsichtigt – zur Stigmatisierung dieser Kinder und Jugendlichen beiträgt.

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Copyright information

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Authors and Affiliations

  • Krassimir Stojanov

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