Advertisement

Neue soziale Segmentationsmuster in der beruflichen Bildung

  • Martin Baethge
Chapter
  • 10k Downloads

Zusammenfassung

Von sozialen Segmentationsmustern zu reden, meint mehr als nur temporäre soziale Be-nachteiligungen. Die Kategorie der Segmentationsmuster zielt auf relativ dauerhafte Un-gleichheitsverteilungen in der Teilhabe an gesellschaftlichen Gütern – in unserem Fall an der Berufsbildung. Segmentationsmuster sind begründet in institutionellen Arrangements und Verhaltensnormierungen sowie in strukturellen Entwicklungen, die ihnen relative Sta-bilität und Dauerhaftigkeit verleihen. In der Berufsbildung ist lange Zeit die Unterprivile-gierung – man kann auch von Ausschluss sprechen – von Mädchen/jungen Frauen im Zu-gang zu dualer Berufsausbildung in der Hochphase fordistischer Industrialisierung das prominenteste Beispiel für solch ein Segmentationsmuster gewesen (vgl. Krüger 1999 und 2004). Der Hauptsektor der Wirtschaft, die Industrie, privilegierte mit technisch ausgerich-teter Fach- und körperlich anstrengender Massenarbeit die männlichen Jugendlichen. Die bürgerlichen Stereotype geschlechtsspezifischer Arbeitsteilung in der Gesellschaft taten ein Übriges, um den Mädchen den Zugang zur dualen Berufsausbildung zu erschweren oder zu versperren. Dieses alte Segmentationsmuster wirkt bis heute nach – insbesondere in den geschlechtsspezifischen Berufszuweisungen (Männer mehr zu den gewerblich-technischen, Frauen mehr zu sozialen und kaufmännischen Berufen) –, auch wenn sich mit dem Wandel zur Dienstleistungsökonomie die Ausbildungsmöglichkeiten für junge Frauen sukzessive verbessert haben.

Preview

Unable to display preview. Download preview PDF.

Unable to display preview. Download preview PDF.

Literatur

  1. Abelshauser, W. (2004): Deutsche Wirtschaftsgeschichte seit 1945. MünchenGoogle Scholar
  2. Autorengruppe Bildungsberichterstattung (2008): Bildung in Deutschland 2008. Ein indikatorengestützter Bericht mit einer Analyse zu Übergängen im Anschluss an den Sekundarbereich I. BielefeldGoogle Scholar
  3. Baethge, M. (1983): Zu Strukturproblemen der Berufsbildung in der Bundesrepublik Deutschland in den 70er Jahren und zur Angebots-Nachfrage-Entwicklung bis 1990. In: Industriegewerkschaft Metall-Vorstand (Hrsg.): Finanzierung der beruflichen Bildung. Frankfurt a. M., S. 47–85Google Scholar
  4. Baethge, M. (2006): Staatliche Berufsbildungspolitik in einem korporatistischem System. In: Weingart, P./Taubert, N. C. (Hrsg.): Das Wissensministerium. Ein halbes Jahrhundert Forschungs- und Bildungspolitik in Deutschland. Weilerswist, S. 435–469Google Scholar
  5. Baethge, M. (2007): Das deutsche Bildungs-Schisma: Welche Probleme ein vorindustrielles Bildungswesen in einer nachindustriellen Gesellschaft hat. In: Lemmermöhle, D./Hasselhorn, M. (Hrsg.): Bildung und Lernen. Humanistische Ideale, gesellschaftliche Notwendigkeiten, wissenschaftliche Erkenntnisse. Göttingen, S. 93–116Google Scholar
  6. Baethge, M./Achtenhagen, F./Arends, L./Babis, E./Baethge-Kinsky, V./Weber, S. (2006): Berufsbildungs-PISA. Machbarkeitsstudie. StuttgartGoogle Scholar
  7. Baethge, M./Solga, H./Wieck, M. (2007): Berufsbildung im Umbruch. BerlinGoogle Scholar
  8. Baumert, J./Schümer, G. (2001): Familiäre Lebensverhältnisse, Bildungsbeteiligung und Kompetenzerwerb. In: Deutsches PISA-Konsortium (Hrsg.): PISA 2000. Opladen, S. 323–407Google Scholar
  9. BiBB-Übergangsstudie = Beicht. U./Friedrich, M./Ulrich, J.G. (2008): Ausbildungschancen und Verbleib von Schulabsolventen in Zeiten eines angespannten Lehrstellenmarktes. BielefeldGoogle Scholar
  10. Blankertz, H. (1982): Die Geschichte der Pädagogik: Von der Aufklärung bis zur Gegenwart. WetzlarGoogle Scholar
  11. BMBF (2004): Berufsbildungsbericht 2004. BonnGoogle Scholar
  12. BMBF (2006): Berufsbildungsbericht 2006, Bonn/BerlinGoogle Scholar
  13. Deutscher Bildungsrat (1970): Empfehlungen der Bildungskommission. Strukturplan für das Bildungswesen. StuttgartGoogle Scholar
  14. DSW/HIS (2006): 18. Sozialerhebung 2006Google Scholar
  15. v. Friedeburg, L. (1989): Bildungsreform in Deutschland. Geschichte und gesellschaftlicher Widerspruch. Frankfurt a. M.Google Scholar
  16. Greinert, W.-D. (2003): Realistische Bildung in Deutschland. HohengehrenGoogle Scholar
  17. Herrlitz, H. G. (1982): Geschichte der gymnasialen Oberstufe. Theorie und Legitimation seit der Humboldt-Süverschen Reform. In: Blankertz, H./Derbolav, J./Kell, A./Kutscha, H. (Hrsg.): Sekundarstufe II – Jugendbildung zwischen Schule und Beruf (Enzyklopädie Erziehungswissenschaft. Bd. 9.1). StuttgartGoogle Scholar
  18. Janossy, F. (1966): Das Ende der Wirtschaftswunder. Wesen und Erscheinung der wirtschaftlichen Entwicklung. Frankfurt a. M.Google Scholar
  19. Kalter, F. (2006): Auf der Suche nach einer Erklärung für die spezifischen Arbeitsmarkt¬nachteile von Jugendlichen türkischer Herkunft. Zugleich eine Replik auf den Beitrag von Hol¬ger Seibert und Heike Solga: „Gleiche Chancen dank einer abgeschlossenen Ausbil¬dung?“ (ZfS 5/2005). Zeitschrift für Soziologie, Jg. 35, S. 144–160Google Scholar
  20. KMK (2006): Synoptische Darstellung der in den Ländern bestehenden Möglichkeiten des Hochschulzugangs für beruflich qualifizierte Bewerber ohne schulische Hochschulzugangsberechtigung auf der Grundlage hochschulrechtlicher Regelungen (Stand Februar 2006). BonnGoogle Scholar
  21. Kohli, M. (1985): Die Institutionalisierung des Lebenslaufs. In: Kölner Zeitschrift für Soziologie und Sozialpsychologie, Jg. 37, H. 1, S. 1–29Google Scholar
  22. Konsortium Bildungsberichterstattung (2006): Bildung in Deutschland. BielefeldGoogle Scholar
  23. Krekel, E. M./Ulrich, J. G. (2009): Jugendliche ohne Berufsabschluss. (Friedrich-Ebert-Stiftung). BerlinGoogle Scholar
  24. Krüger, H. (1999): Gender and Skills. Distributive Ramifications of the German Skill System. In: Culpepper, P. D./Finegold, D. (Eds.): The German Skills machine Sustaining Comparative Advantage in a Global Economy. New York/Oxfort, pp. 189–227Google Scholar
  25. Krüger, H. (2004): Zur Datenlage vollzeitschulischer Berufsausbildung. In: Baethge, M./Buss, K.-P./Lanfer, C. (Hrsg.): Expertisen zur den konzeptionellen Grundlagen für einen nationalen Bildungsbericht – Berufliche Bildung und Weiterbildung/lebenslanges Lernen. Bonn/Verlin, S. 141–164Google Scholar
  26. Lehmann, R. H./Ivanov, S./Hunger, S./Gänsfuß, R. (2004): ULME I. Untersuchung der Leistungen, Motivationen und Einstellungen zu Beginn der beruflichen Ausbildung. Be¬hörde für Bildung und Sport, Amt für Bildung, Referat Berufliche Bildung der Freien und Hansestadt Hamburg (Hrsg.)Google Scholar
  27. Lehmann, R. H./Seeber, S./Hunger, S. (2006): ULME II. Untersuchung der Leistungen, Motivationen und Einstellungen der Schülerinnen und Schüler in den Abschlussklassen der teilqualifizierenden Berufsfachschu¬len. Behörde für Bildung und Sport, Amt für Bil¬dung, Referat Berufliche Bildung der Freien und Hansestadt Hamburg (Hrsg.)Google Scholar
  28. Maaz, K./Baumert, J./Cortina K. S. (2008): Soziale und regionale Ungleichheit im deutschen Bildungssystem. In: Cortina, J. S./Baumert, J./Leschinsky, A./Mayer, K. U./Trommer, L. (Hrsg.): Das Bildungswesen in der Bundesrepublik Deutschland. Reinbek, S. 205–243Google Scholar
  29. Mayer, K. U. (1998): „Lebensverlauf“. In: Schäfers, B./Zapf. W. (Hrsg.): Handwörterbuch zur Gesellschaft Deutschland. Opladen, S. 438–451Google Scholar
  30. Mayer, K.U. (2003): Das Hochschulwesen. In: Cortina, K.S. u. a. (Hrsg.). Das Bildungswesen in der Bundesrepublik Deutschland, ReinbekGoogle Scholar
  31. Müller, W. (1998): Erwartete und unerwartete Folgen der Bildungsexpansion. In: Friedrichs, J./Lepsius, R./Mayer, K.-U. (Hrsg.): Die Diagnosefähigkeit der Soziologie. Kölner Zeitschrift für Soziologie und Sozialpsychologie, Sonderband 38, Opladen, S. 81–122Google Scholar
  32. Riese, H. (1967): Die Entwicklung des Bedarfs an Hochschulabsolventen in der Bundesrepublik Deutschland. WiesbadenGoogle Scholar
  33. Seyfried, B. (2006): Berufsausbildungsvorbereitung aus betrieblicher Sicht. Bonn: BIBB.Google Scholar
  34. Solga, H. (2005): Ohne Abschluss in die Bildungsgesellschaft. Die Erwerbschancen ge¬ring qualifizierter Personen aus soziologischer und ökonomischer Perspektive. OpladenGoogle Scholar
  35. Stratmann, K. W./Pätzold, G. (1985): Institutionalisierung der Berufsbildung. In: Baethge, M./Nevermann, K. (Hrsg.): Organisation, Recht und Ökonomie des Bildungswesens (Enzyklopädie Erziehungswissenschaft, Bd. 5). StuttgartGoogle Scholar

Copyright information

© VS Verlag für Sozialwissenschaften | Springer Fachmedien Wiesbaden GmbH 2011

Authors and Affiliations

  • Martin Baethge

There are no affiliations available

Personalised recommendations