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Einleitung: Gegenwartssinn und Gewaltkritik

  • Eva von Redecker
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Zusammenfassung

In Leslie Feinbergs Stone Butch Blues, einem der klassischen queeren Bildungsund Bekenntnisromane, berichtet die Hauptfigur im Rückblick auf eindrückliche Weise von einem Moment, in dem ihr zugleich mit ihrer Identität oder Zugehörigkeit auch das ‚Schicksal‘ bevorstehender Gewalt klar wurde. Das lebensbedrohliche Gewaltpotential, das dann in Form von polizeilicher Verfolgung, Vergewaltigung, gesellschaftlicher Ächtung, psychischer Strapaze und körperlicher Verletzung tatsächlich die meisten Seiten dieser Biografie füllt, verdeutlicht die Erzählerin an einer vergleichsweise ‚harmlosen‘ Situation. An dieser Stelle liegt ‚nur‘ die Beobachtung einer Alltagssituation vor, deren eingehende Schilderung aber ausreicht, um das ganze Ausmaß der kommenden Verfolgung als Einlösung einer bereits erkannten Gewalt zu verstehen. In dem Moment, als die maskuline Frau mit ihrer Partnerin im Weihnachtsgeschäft die Juwelierauslage auf eine bestimmte Weise anblickt, offenbaren sich der jugendlichen Betrachterin die Ausmaße einer strukturellen Gewalt – eines Potentials, das alle weitere Verfolgung ankündigt, wenn nicht bereits vorwegnimmt. Und diese stumme Gewalt, die zwei Lesben aus dem Kaufhaus weichen lässt, ist nicht etwa eine sanftere Variante der Torturen, über die Stone Butch Blues ansonsten berichtet, sondern deckt die Grundlage auf, die alle diese Ausschreitungen bedingt.

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© VS Verlag für Sozialwissenschaften | Springer Fachmedien Wiesbaden GmbH 2011

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  • Eva von Redecker

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