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Einleitung

  • David Glowsky

Zusammenfassung

Die Soziologie ist keine Wissenschaft, die sich mit lebensfernen Inhalten beschäftigt, ganz im Gegenteil. Gegenstand der Soziologie sind in der Regel ganz konkrete gesellschaftliche Umstände, die uns auch im Alltag begegnen. Auch diese Studie befasst sich mit einem Phänomen, das sich seit den 1980er Jahren tausendfach in Deutschland beobachten lässt. Ein Beispiel soll dies veranschaulichen. Stellen wir uns einen Mann mittleren Alters vor, den wir auf der Straße oder in einem Park sehen. Er ist vermutlich zwischen 40 und 50 Jahre alt. Seine Kleidung und sein Habitus lassen auf gehobene Bildung und ein etwas überdurchschnittliches Einkommen schließen. Seine Figur zeigt einen leichten Bauchansatz. Soweit wird der Betrachter vermutlich nicht besonders überrascht sein und sein Auge nicht länger auf dem Mann ruhen lassen. An seiner Seite sehen wir jedoch eine Frau fremder Herkunft. Sie stammt offenbar aus einem Land, das wirtschaftlich deutlich schlechter gestellt ist als Deutschland, möglicherweise ein Land in Südostasien, Lateinamerika oder Afrika. Ihre Erscheinung ist darüber hinaus nicht weiter auffällig. Sie ist ebenfalls gut gekleidet, schlank und etwa zehn Jahre jünger als der Mann. An ihrem Umgang miteinander erkennen wir, dass es sich um ein Paar handelt. Dabei machen sie einen sehr routinierten, vertrauten Eindruck. Wenn wir den Mann und die Frau allein sähen, würden wir sie vielleicht nicht weiter beachten, doch als Paar fallen sie aufgrund ihrer unterschiedlichen Herkunft auf. Diese Kombination von zwei Personen, die aus verschiedenen Herkunftsländern und kulturen stammen, ist in Deutschland immer noch verhältnismäßig selten. Deutsche Partnersuchende heiraten in der Regel einen deutschen Partner, und in Deutschland lebende ausländische Personen finden ihren Partner vorwiegend in ihrer jeweiligen Migrantengruppe (Schroedter/Kalter 2008). Diese Regel der Homogamie, der Heirat von Menschen mit gleichen Eigenschaften, lässt sich nicht nur in Bezug auf die geografische und kulturelle Herkunft, sondern für viele weitere Merkmale wie Alter, Bildung, Religion, Hautfarbe, Freizeitinteressen etc. beobachten (Klein 2001; Kalmijn 1998). Das beschriebene Paar, bestehend aus einem deutschen Mann und einer Frau aus dem ärmeren Ausland, weicht von dieser Regel ab, und dies zudem äußerlich sichtbar. Bei der Beobachtung drängt sich eine Frage auf: Warum ist das Paar in dieser Konstellation zusammen? Anders formuliert: Warum haben die beiden Partner ihre Stammgruppe verlassen und einen Partner aus einer anderen sozialen Gruppe, bzw. sogar aus einem anderen Land gewählt? Und wenn man den wirtschaftlichen Unterschied zwischen den beiden Herkunftsländern in die Frage einbezieht, lässt sich auch fragen: Warum hat die Frau einen Mann aus dem reichen Ausland gewählt und warum hat sich der Mann für eine Frau aus dem ärmeren Ausland entschieden? Im Folgenden werden zwei Erklärungen vorgestellt, die erstens aus dem alltäglichen Verständnis von Partnerwahl und zweitens aus der frühen Literatur über diese Paarkombination hervorgehen. Beide Erklärungen werden jedoch verworfen. Drittens werden Ergebnisse der Partnerwahlforschung dargestellt, denen wir entnehmen können, warum Frauen aus dem ärmeren Ausland deutsche Männer heiraten.

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© VS Verlag für Sozialwissenschaften | Springer Fachmedien Wiesbaden GmbH 2011

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  • David Glowsky

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