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Von Wurzeln, Ästen und Bäumen – Kasuistik im sunnitisch-islamischen Recht

  • Thomas Eich

Zusammenfassung

Im Jahr 632 nach der Zeitenwende starb in Medina auf der arabischen Halbinsel Muhammad, der von seinen Anhängern, den Muslimen, als Prophet Gottes erachtet wurde und wird. In dieser Betrachtungsweise hatte Muhammad bis zu seinem Tod circa 20 Jahre lang Offenbarungen erhalten, die das durch den Erzengel Gabriel wörtlich übermittelte Wort Gottes sind. Diese Offenbarungen wurden in den Jahrzehnten nach Muhammads Tod gesammelt und nach einem komplexen Redaktionsprozess als Koran zusammengeführt. Da die Botschaft des Koran erstens beansprucht, das verbatim inspirierte Wort Gottes zu sein und somit, zweitens, überzeitlichen Geltungsanspruch zu haben, wurde der Koran bald zur Rechtsquelle für das im Lauf der ersten Jahrhunderte der islamischen Geschichte sich entwickelnde islamische Recht. Jedoch ist der Koran kein Gesetzbuch und nur eine kleine Zahl an Versen behandelt unmittelbar Fragen des Rechts oder des religiösen Rituals. Aus diesem Grund wurden die Taten (sunna) und Aussprüche (hadîth) des Propheten sowie seiner als vorbildliche Muslime erachteten ersten Anhänger – ab hier der Einfachheit halber als Sunna bezeichnet – zur zweiten Quelle des islamischen Rechts. Die Überlieferungen der Sunna wurden in einem über etwa 300 Jahre gestreckten Prozess zunehmend verschriftlicht und schließlich in Sammlungen kodifiziert.

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  • Thomas Eich

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