Advertisement

Moderner Antisemitismus unter Muslimen in Deutschland

  • Juliane Wetzel

Zusammenfassung

Antisemitische Stereotype sind heute in allen politischen und gesellschaftlichen Kreisen virulent, sie sind in hohem Maße integrativer Bestandteil rechtsextremer Ideologie, finden sich im globalisierungskritischen und im linken Umfeld und sind auch in der Mitte der Gesellschaft längst kein Tabu mehr. Seit Beginn der Zweiten Intifada im Herbst 2000, als sich erneut zeigte, welchen Mobilisierungseffekt die Radikalisierung des Nahostkonflikts auf antisemitische Einstellungen und Aktionen hat, zeigt sich, dass antisemitische Stereotype und Propaganda in verschiedenen europäischen Ländern auch unter Migranten und deren Nachkommen virulent sind, die aus der arabischen Welt, aus Nordafrika oder der Türkei stammen. Wobei diese antisemitischen Vorurteilsstrukturen kaum Anknüpfungspunkte an etwaige Traditionen im Islam aufweisen, sondern vielmehr Ergebnis einer von europäischen Vordenkern des Antisemitismus in die muslimische Welt getragenen Topoi sind, die dort inzwischen einen zentralen Stellenwert einnehmen und sich insbesondere in einer antizionistischen Variante gegen Israel, aber ebenso gegen Juden überhaupt richten (vgl. zum Antisemitismus in der arabischen Welt Tibi 2003). Entgegen verbreiteter Vorstellungen – nach denen Araber als Semiten keine antisemitischen Vorurteile hegen könnten – schließt der Begriff „Antisemitismus“ auch Judenfeindschaft von Arabern ein. Der Begriff Antisemitismus, der gegen Ende des 19. Jahrhunderts entstand, meint ausschließlich die Feindschaft gegen Juden und ist ein Konstrukt der Agitatoren seiner Entstehungszeit.

Preview

Unable to display preview. Download preview PDF.

Unable to display preview. Download preview PDF.

Literatur

  1. [ADL] Anti-Defamation League (2002): „Jihad Online. Islamic Terrorists and the Internet“, in: www.adl.org, 2002, abg. 30.8.08.
  2. [ADL] Anti-Defamation League (Hrsg.) (2005): „Attitudes Toward Jews in Twelve European Countries“, in: www.adl.org, May 2005, abg. 30.8.08.
  3. [ADL] Anti-Defamation League (Hrsg.) (2007): „Attitudes Toward Jews and the Middle East in Six European Countries“, in: www.adl.org, May 2007, ab. 30.8.08.
  4. [AJC] American Jewish Committee (Hrsg.) (2002): „German Attitudes Toward Jews. The Holocaust and the U.S.“, in: www.ajc.org, 16.12.02, abg. 3.9.08.
  5. Brettfeld, Katrin/Peter Wetzel (2007): Muslime in Deutschland. Integration, Integrationsbarrieren, Religion sowie Einstellungen zu Demokratie, Rechtsstaat und politischreligiös motivierter Gewalt. Hamburg.Google Scholar
  6. Buschbom, Jan (2007): „Antisemitische Tendenzen in der Musikart Rap“, in: Brandenburg, Ministerium des Innern (Hrsg.): Antisemitismus Gleichklang zwischen den Extremen. Dokumente der Fachtagung des Verfassungsschutzes am 22. November 2007 in Potsdam. Potsdam.Google Scholar
  7. Farschid, Olaf (2007): „Antisemitismus bei islamistischen Gruppen“, in: Brandenburg, Ministerium des Innern (Hrsg.): Antisemitismus Gleichklang zwischen den Extremen. Dokumente der Fachtagung des Verfassungsschutzes am 22. November 2007 in Potsdam. Potsdam, S. 4–12.Google Scholar
  8. Heyberger, Bernhard (2006): „Die Rolle der Christen bei der Vermittlung antisemitischer Stereotypen in der arabischen Welt“, in: Dirk Ansorge (Hrsg.): Antisemitismus in Europa und in der arabischen Welt. Paderborn, S. 183–199.Google Scholar
  9. Holz, Klaus (2006): „Neuer Antisemitismus? Wandel und Kontinuität der Judenfeindschaft“, in: Dirk Ansorge (Hrsg.): Antisemitismus in Europa und in der arabischen Welt. Paderborn, S. 51–80.Google Scholar
  10. Kiefer, Michael (2002): Antisemitismus in den islamischen Gesellschaften. Der Palästinakonflikt und der Transfer eines Feindbildes. Düsseldorf.Google Scholar
  11. Kiefer, Michael (2006): „Islamischer; islamistischer oder islamisierter Antisemitismus?“, in: Die Welt des Islams46 (2006), S. 277–306.CrossRefGoogle Scholar
  12. Kiefer, Michael (2007): „Islamistischer oder islamisierter Antisemitismus?“, in: Wolfgang Benz und Juliane Wetzel (Hrsg.): Antisemitismus und radikaler Islamismus. Essen, S. 71–84.Google Scholar
  13. Messerschmidt, Astrid (2006): „Verstrickungen. Postkoloniale Perspektiven in der Bildungsarbeit zum Antisemitismus“, in: Fritz Bauer Institut, Jugendbegegnungsstätte Anne Frank (Hrsg.): Neue Judenfeindschaft? Perspektiven für den pädagogischen Umgang mit dem globalisierten Antisemitismus. Frankfurt a. M.Google Scholar
  14. Müller, Jochen (2006): „Von Antizionismus und Antisemitismus. Stereotypenbildung in der arabischen Öffentlichkeit“, in: Dirk Ansorge (Hrsg.): Antisemitismus in Europa und in der arabischen Welt. Paderborn, S. 163–181.Google Scholar
  15. Müller, Jochen (2007): „Antisemitismus in türkischen und arabischen Medien“, in: Antisemitismus. Forschung und aktuelle Entwicklungen, FES Politische Akademie Policy21 (2007);Google Scholar
  16. Müller, Jochen (2007a): „Auf den Spuren von Nasser. Nationalismus und Antisemitismus im radikalen Islamismus“, in: Wolfgang Benz und Juliane Wetzel (Hrsg.): Antisemitismus und radikaler Islamismus. Essen, S. 85–101.Google Scholar
  17. Nordbruch, Götz (2004): „Antisemitismus als Gegenstand islamwissenschaftlicher und Nahost-bezogener Sozialforschung“, in: Werner Bergmann und Mona Körte (Hrsg.): Antisemitismusforschung in den Wissenschaften. Berlin, S. 241–269.Google Scholar
  18. Nordburch, Götz (2004a): „Modernisierung, Anti-Modernismus, Globalisierung. Judenbilder, Verschwörungstheorien und gesellschaftlicher Wandel in der arabischen Welt“, in: Claudia von Braun und Eva-Maria Ziege (Hrsg.): Das bewegliche Vorurteil. Eigen- und Fremdbilder des Jüdischen. Würzburg, S. 201–219.Google Scholar
  19. Samuels, Shimon/Mark Knobel (2002): Antisemitism 2002 in France. ‚Intifada‘ import or domestic malaise?Paris: Centre Simon Wiesenthal.Google Scholar
  20. Tibi, Bassam (2003): „Der importierte Hass“, in: Die Zeit6.2.03.Google Scholar
  21. Weingärtner, Daniela (2005): „EU als Medienwächterin. Wie weit reicht Brüssels Arm?“, in: ‚M‘, Menschen manchen Medien12(2005)-1(2006).Google Scholar
  22. Wetzel, Juliane (2004): „Antisemitismus und Holocaustleugnung als Denkmuster radikaler islamistischer Gruppierungen“, in: Bundesministerium des Innern (Hrsg.): Extremismus in Deutschland. Erscheinungsformen und aktuelle Bestandsaufnahme. Berlin, S. 253–272.Google Scholar

Copyright information

© VS Verlag für Sozialwissenschaften | Springer Fachmedien Wiesbaden GmbH 2010

Authors and Affiliations

  • Juliane Wetzel

There are no affiliations available

Personalised recommendations