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Zusammenfassung

Netzwerke sind in aller Munde. Ob im Internet oder bei der Karriereplanung: Netzwerke aufzubauen und pflegen zu können, gilt heute als wichtige Qualifikation. Sie ziehen als Phänomen seit geraumer Zeit die Aufmerksamkeit von Soziologen und Ethnologen auf sich. Anhand der Methoden der Sozialen Netzwerkanalyse untersuchen und erfassen sie diese Netzwerke quantitativ wie qualitativ. Für Historiker liegt es nah, Netzwerke auch für die Vergangenheit zu postulieren und zu analysieren. Die Feststellung, dass sie nicht nur ein zeitgenössisches, sondern auch ein historisches Phänomen sind, ist allerdings banal. Es muss dem Historiker daher darum gehen, Netzwerke als wirkungsmächtige Strukturen zu begreifen, die auf Entscheidungsprozesse und den Zugang zu Ressourcen einen bedeutenden, wenn nicht gar entscheidenden Einfluss haben. Im Gegensatz zu Soziologen oder Ethnologen steht der Historiker allerdings vor spezifischen Problemen. Er stellt sich seine Quellen – etwa mittels Fragebogen – nicht selbst her, sondern er ist auf das angewiesen, was überliefert wurde. Verluste und Lücken in den Quellen stehen einer Analyse von Netzwerken oftmals im Wege – es wundert also nicht, dass die Netzwerkanalyse bisher wenig Resonanz innerhalb der Geschichtswissenschaft gefunden hat. Es ist zudem nicht immer möglich beziehungsweise gewollt die gesamte Bandbreite an Kenngrößen der Sozialen Netzwerkanalyse anzuwenden und zur Deutung historischer Phänomene heranzuziehen. Oftmals wird der Begriff des Netzwerkes nicht näher bestimmt und metaphorisch gebraucht. Man belässt es bei der Feststellung, dass Personen oder Institutionen miteinander verbunden sind und dass dies Auswirkungen auf ihr Handeln hat, eine genauere Analyse unterbleibt aber in aller Regel. Im Folgenden soll anhand eines Beispiels aufgezeigt werden, dass eine intensivere Beschäftigung mit Netzwerken die historische Forschung bereichern kann und ihr neue Perspektiven zu öffnen vermag. Es soll aber ebenso deutlich werden, dass Netzwerke nie isoliert betrachtet werden können. Stets sind andere Quellen nötig, um netzwerkanalytische Ergebnisse abzugleichen und die Handlungsspielräume und Zwangslagen der Akteure verstehen zu können.

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Copyright information

© VS Verlag für Sozialwissenschaften | Springer Fachmedien Wiesbaden GmbH 2010

Authors and Affiliations

  • Frank Hirsch
    • 1
  1. 1.Lehrstuhl für Neuere Geschichte und LandesgeschichteUniversität des SaarlandesSaarbrücken

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