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Fans pp 333-362 | Cite as

Fans und Medien

  • Dieter Ohr
Chapter

Zusammenfassung

Wer sich der Beziehung zwischen Fans und Medien zuwendet, mag sich zuerst fragen, ob hier irgendetwas fraglich sein kann. Ist nicht die zwangsläufige Bezugnahme des Fans auf die Medien begrifflich bereits im Konzept des Fans enthalten? Kann es, zumal in der Mediengesellschaft, überhaupt Fans ohne Medien geben? Man mag diese Frage womöglich so beantworten, dass sich ohne ein entwickeltes System von Massenmedien, ohne einen damit einhergehenden ‚Starkult’ das Fantum nie zu einem Massenphänomen hätte entwickeln können (vgl. Fritzsche 2003: 17; Krischke-Ramaswamy 2007: 34ff.). Doch selbst wenn man die Frage so beantwortet, dass mit Blick auf die Gesamtgesellschaft das Fan-Sein der entwickelten Massenmedien bedürfe, heißt dies noch wenig für die individuelle Ebene: Fan zu sein bedeutet einer-seits, sich auf die Medien zu beziehen, andererseits sind eine Reihe von Fan-aktivitäten vorstellbar, die nur einen schwachen oder gar keinen Medienbezug haben (Fritzsche 2003: 17). Wenn wir die Definition von Jochen Roose u.a. in der Einleitung dieses Bandes zugrunde legen, wonach Fans Menschen sind, „die längerfristig eine leidenschaftliche Beziehung zu einem für sie externen, öffentlichen, entweder personalen, kollektiven, gegenständlichen oder abstrakten Fanobjekt haben und in die emotionale Beziehung zu diesem Objekt Zeit und/oder Geld investieren“, so bleibt dabei zunächst noch völlig offen, auf welche Weise Fans die Beziehung zu ihrem Fanobjekt pflegen und welche Rolle Massenmedien dabei spielen. Auch weiß man nicht, eine intensive Mediennutzung von Fans unterstellt, auf welche Medien sich diese richtet. Ferner könnte sich die Bedeutung der alten und der neuen Medien zwischen den Fangruppen unterscheiden. Mit anderen Worten: Die globale Verknüpfung von entwickeltem Mediensystem einerseits und der Existenz eines massenhaften Fantums andererseits informiert nur wenig über die individuelle Ausgestaltung dieser Beziehung. Genau um diese individuelle Perspektive geht es in diesem Beitrag.

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Authors and Affiliations

  • Dieter Ohr
    • 1
  1. 1.Freien Universität BerlinBerlin

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