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Verständigungsorientierte Öffentlichkeitsarbeit Herausforderungen der PR-Ethik

  • Günter Bentele

Zusammenfassung

Das von Roland Burkart entwickelte Modell der Verständigungsorientierten Öffentlichkeitsarbeit arbeitet mit der zentralen Kategorie der „Verständigung“ und basiert ja bekanntlich auf Habermas’ Theorie kommunikativen Handelns. Dort – und Burkart übernimmt dies ja bewusst – spielen die von Habermas so genannten „universalen Geltungsansprüche“ Verständlichkeit, Wahrheit, Wahrhaftigkeit und Richtigkeit, die er aus einer weiter entwickelten Sprechakttheorie herleitet (vgl. Horster 1999: 50) eine fundamentale Rolle. Was haben die Habermas’schen Geltungsansprüche, was hat das Burkart’sche „Konzept der verständigungsorientierten Öffentlichkeitsarbeit“ (Burkart/Probst 1991: 58) mit einer PR-Ethik, z.B. mit der PR-ethischen Norm der Wahrheit, der wahrheitsgemäßen Information und des normativ gesetzten Täuschungsverbots (Code d’Athènes, Code de Lisbonne, Sieben Selbstverpflichtungen) zu tun? Dürfen PR-Profis lügen oder müssen sie es sogar? Ist der Burkart’sche Ansatz utopisch oder „idealistisch“? Welche Funktionen hat eine PREthik für das Berufsfeld? Diesen und anderen Fragen soll im Folgenden nachgegangen werden, indem a) die Problematik des Lügens (des faktisch Lügens, des Lügen-Dürfens und des Lügen-Müssens) im PR-Kontext diskutiert wird, b) auf das normative Fundament einer PR-Ethik eingegangen wird, c) die sozialen Funktionen einer PR-Ethik diskutiert werden und d) abschließend ein Fazit gezogen wird.

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  • Günter Bentele

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