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Wirkungen von Umfrageberichterstattung auf Wählerverhalten: Ein Online-Experiment zu den Landtagswahlen in Baden-Württemberg 2006, Rheinland-Pfalz 2006 und Hessen 2008

  • Jürgen Maier
  • Frank Brettschneider

Auszug

Vor Bundes- und vor Landtagswahlen berichten Massenmedien immer häufiger über Ergebnisse aus Wahlumfragen. Zwischen den Bundestagswahlen 1980 und 2005 hat sich die Zahl der veröffentlichten Wahlumfragen mehr als versechsfacht1, und auch vor Landtagswahlen gehören Umfrageergebnisse inzwischen zum Standardrepertoire der Wahlberichterstattung. Dabei gilt: Je näher der Wahltag rückt, desto stärker fokussieren die Massenmedien auf Wahlumfragen.2 Im Mittelpunkt der Berichterstattung steht meist die Sonntagsfrage: „Welche Partei würden Sie wählen, wenn am nächsten Sonntag Wahl wäre?“. Die Veröffentlichung der Ergebnisse aus Wahlumfragen ist jedoch nicht unumstritten. Veröffentlichungsgegner erheben den Vorwurf, Ergebnisse aus Umfragen würden den Wahlausgang illegitim beeinflussen. In einigen Ländern ist die Veröffentlichung von Wahlumfragen in einem bestimmten Zeitraum vor Wahlen sogar verboten.3 Auch in Deutschland werden solche Verbotsforderungen stets aufs Neue erhoben — meist von Vertretern der Parteien, die in aktuellen Umfragen ungünstige Werte erhalten.4 So mokierte sich Gerhard Schröder in seiner Rede auf dem Sonderparteitag der SPD am 31. August 2005 in Berlin über die „unheilige Allianz aus Meinungsforschern, Meinungsmachern“. Und vor der Bundestagswahl 2002 brachte der damalige Bundestagspräsident Wolfgang Thierse ein Veröffentlichungsverbot ins Gespräch.

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© VS Verlag für Sozialwissenschaften | GWV Fachverlage GmbH, Wiesbaden 2009

Authors and Affiliations

  • Jürgen Maier
  • Frank Brettschneider

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